Das sah noch Herr Heinrich, den seine Ritter unter einer alten Eiche, die am Wege stand, gebettet hatten. –
Er sah's mit strahlenden Augen und faltete die Hände um den Kreuzgriff seines blutigen Schwertes: »Herr Gott,« sprach er, »dich loben wir. Sieg! Sankt Burchhards Stadt gerettet! Nun will ich gerne sterben. – Und seht – seht dorthin, meine Freunde! Dort im Osten flammt es lohend auf! Das – das sind die Flammenboten – das sind die Cherubim des Herrn, der zum Gericht herniedersteigt.«
»Nein!« jubelte Fulko laut aus voller Brust, mit erhobenem Schwerte deutend. »Das ist Sonnenaufgang! Mitternacht muß ja längst vorüber sein! Wir dachten nur nicht dran im Drang des Kampfes! Vorüber ist der gefürchtete Tag – und die Welt: – sie steht noch! – Es war ein Wahn! – Herr Gott, wir danken dir aus tiefster Seele! Nein, du wolltest sie nicht vernichten, deine alte, liebe, schöne Welt!« Und er warf sich auf die Kniee und hob dankend, frohlockend, beide Arme gen Himmel.
Da fiel der erste Strahl der Sonne über die Höhen auf sein Antlitz: trillernd stieg aus den Wiesen eine Heidelerche in den noch grauen Himmel. –
Und Hellmuth und Blandinus und alle, die nicht die Wunde hemmte, thaten desgleichen, warfen Schwert, Speer und Schild von sich, und aus vielen hundert Kehlen in die dämmernde Morgenfrühe hinauf – deutsch und lateinisch durcheinander – klang der alte Lobgesang:
| Gnade, du, nicht in Zeit | Nunquam resolvitur, |
| Nein, in Unendlichkeit, | Nunquam revolvitur |
| Immer erneut: | Credens in te: |
| Herr Gott, wir danken dir, | Gratias agimus, |
| Herr Gott, dich loben wir | Gratias canimus |
| Ewig wie heut! | O domine! |