Wie viele Millionen von Jahren mögen dabei vergangen sein? – Im Laufe unvorstellbar langer Zeiten verlor die Sonne dann ihre Weißglut, – wie so manche ihrer Schwestern am Himmel. Sie nahm eine gelbe Farbe an, und in dieser erstrahlt sie auch heute noch. Indes, es wird die Zeit kommen, wo unser Zentralgestirn auch diese Färbung verliert und sie mit der roten vertauschen wird. Hat die Sonne dann das rote Lichtgewand lange genug getragen, dann wird sie auch dies ablegen und ganz dunkel werden. Sie wird ihr Licht verlieren und erkalten, wie es unser Erdball seit langem schon ist.

Auch unsere Erde war einst ein selbstleuchtender Stern, der nacheinander im weißen, im gelben und im roten Lichte prangte, der endlich sein Licht verlor und seinen heutigen Zustand annahm, damit die Pflanzen, die Tiere und der Mensch auf seiner Oberfläche erscheinen konnten. Aus einer kleinen Sonne ist unser Erdball im Laufe langer Zeiten zu einem dunklen Körper, – einem Planeten, – geworden!

Diesen »Werdegang der Sonne«, den wir hier geschildert haben, müssen alle Sonnen am Firmamente durchmachen. Viele haben ihn bereits hinter sich, viele ihn noch vor sich! Die Farbe der Sterne verrät uns, – wir werden davon später noch Näheres hören, – also ihr Alter! – Wenn unsere Sonne im wolkenlosen Blau des Firmamentes dahinschwimmt, und wir sie durch ein dickes, buntes oder stark berußtes Glas (niemals mit dem bloßen Auge) betrachten, dann erscheint sie uns als eine goldgelbe Scheibe, die etwas größer als der Vollmond aussieht.

Nehmen wir aber ein genügend stark vergrößerndes Fernrohr, das mit einem Schutzglase versehen sein muß, zur Hand, und betrachten mit ihm das Tagesgestirn, dann werden wir ein wenig erstaunt über das sein, was wir auf der Sonne sehen!

Die goldgelbe Scheibe der Sonne sieht im Fernrohre aus wie ein wogendes Meer. Sie löst sich auf in zahllose Schäfchenwolken, und diese haben meist eine eiförmige Gestalt.

Sie verändern rasch ihre Größe und ihr Aussehen. Man hat dieses wogende »Meer von Schäfchenwolken«, das die Oberfläche unserer Sonne bildet, mit einer Schicht dachziegelförmig übereinander gelegter Weidenblätter verglichen, oder mit Reiskörnern, die man über einen flachen Teller ausschüttet.

Man spricht deshalb in der modernen Sonnenforschung von der »Weidenblätter- oder Reiskörnerschicht« unserer Sonne.

Der Astronom indes nennt diese Körnung der Sonnenoberfläche die Granulierung. Er weiß, daß ein jedes Korn dieser Granulierung einen Durchmesser von etwa zweihundert Meilen hat, – daß also einzelne dieser Körner zwanzigmal so groß sind, wie das Königreich Bayern.

Der Sonnenforscher weiß ferner, – seine feinen Beobachtungsinstrumente sagen es ihm, – daß die Körner all' das Licht ausstrahlen, welches wir Sonnenlicht nennen. Dieses ist schuld an der großen Hitze der Hundstage, am Wachstum der Pflanzen, am Sturm und Regen auf Erden.

Die einzelnen Lichtkörner sind voneinander durch ein dunkles Geäder, ein Netzwerk, getrennt. Man hat diesem den Namen das »photosphärische Netz«; der gekörnten Sonnenoberfläche aber den Namen »Photosphäre oder Lichthülle« gegeben. Zuweilen kommt es vor, daß mehrere solcher Lichtkörner auf der Oberfläche unseres Tagesgestirnes sich zu einem einzigen, großen Korne vereinigen, – also eine verschwommene Lichtmasse bilden.