Das Volk der Athener war empört ob solcher Rede, und man wollte den weisen Mann wegen Lästerung der Götter öffentlich steinigen. Nur dem Einflusse des Perikles, – jenes berühmten Staatsmannes, – dem Athen und Griechenland viel zu verdanken hatte, gelang es, den Anaxagoras vor dem Schlimmsten zu bewahren!
Der Philosoph hatte mit seiner Rede nicht ganz Recht; aber er ist der Wahrheit doch näher gekommen, als mancher andere. Wenn wir den modernen Himmelsforscher fragen, was die Sonne sei, dann wird er uns antworten: »Eine große Gaskugel!« –
Allerdings vermögen wir uns über diese Gaskugel keine rechte Vorstellung zu machen!
Wir hörten bereits am Eingang dieses Buches, daß unser Tagesgestirn einst mit vielen anderen Sonnen am Firmamente aus dem großen Urnebel hervorgegangen ist.
Der Ball aus Urstoff, der in seinem Erstlingszustande unsere Sonne darstellte, war im Anfange dunkel; aber die einzelnen Teilchen dieses Balles drängten nach dessen Mittelpunkte hin.
Durch dieses Zusammendrängen der Teilchen im Balle wurde ein Leuchten hervorgerufen, das wir Phosphoreszieren genannt haben. Dieses Leuchten wurde immer stärker und stärker, bis der ganze Sonnenball in der Weißglut erstrahlte.
Unsere Sonne war fertig! –
Um die nun kugelförmige und lichte Sonne herum war eine Aureole aus Materie übrig geblieben. Aus ihr haben sich dann in der gleichen Weise, – wie wir es bei der Beschreibung des Urnebels gehört haben, – die Planeten unseres Sonnenreiches und die Monde in ihm, gebildet.
Die Sonnenkugel war in ihrem Anfangszustande um vieles größer, als sie es heute ist. Man nimmt an, daß der Riesengasball unserer Sonne sich einst bis zur Bahn des äußersten, uns bekannten Planeten Neptun erstreckte und sich von dort aus dann langsam bis zu seiner heutigen Größe zusammenzog.