Wenn nach harter Winternot der Frühling ins Land geht, dann kam er nicht plötzlich, sondern die Sonne hat ihn langsam in die Fluren geleitet. Sie hat die jungen Keime in monatelanger Vorarbeit geweckt, damit sie im Lenzeswalten aus der Erde hervorsprossen, und sie hat die Landschaft wieder in jene Farbenpracht gehüllt, die uns im Blütengewande der Blumen von den Wiesen und Rainen entgegenschaut.
Die Sonne ist es, welche dem Frühlinge alle seine Pracht verleiht. Sie ist es, die den Sommer mit Glut und Glanz übergießt und auch im Herbste jenes wundervolle Gemälde auf die große »Leinwand des Waldes« wirft, vor dem wir dann mit Staunen und Entzücken stehen.
Sie ist es auch, die selbst dem harten und frostigen Winter Schönheit verleiht, wenn wir diese Schönheit auch nicht immer an dieser Jahreszeit erkennen wollen!
Von der Sonne hängt also alles ab, was uns in den Jahreszeiten auf Erden umgibt.
Von unserer Sonne hängen auch wir Menschen, die Tiere, die Pflanzen und das Gestein ab. Die Erde selbst, auf der wir wohnen und leben, steht unter ihrem allgewaltigen Einflusse.
Diese Abhängigkeit des Erdballes und dessen Lebewesen von der Sonne hat man in grauer Vorzeit schon innig empfunden! Deshalb erwies man der Sonne eine göttliche Verehrung! Unsere Vorfahren haben aber nicht erkannt, was die Sonne eigentlich ist, und welche Bedeutung sie im Rahmen des Naturgeschehens hat. Darum machten sie sich von ihr auch eine ganz phantastische Vorstellung! –
In den Schriften der Völker im Altertume lesen wir, daß man glaubte, die Sonne sei ein lichter Gott, der tagtäglich im feurigen Wagen über die blaue Himmelau fahre. Die Glut des Sonnenwagens dringe zur Erde herab und erhelle diese.
Andere indes hielten die Sterne am Himmel für Löcher, die in eine große, kristallene Kugelschale, – das Himmelsgewölbe, – eingelassen waren. Durch sie drang das Licht aus dem Hause der Götter zu uns hernieder, und so hielt man auch die Sonne für eine Leuchte, die sich über den Himmel täglich bewege.
Diese Anschauung unserer Vorfahren haben aber einige scharfsichtige Menschen jener Tage nicht geteilt. Zu ihnen gehört in erster Linie der griechische Philosoph (Weltweise) Anaxagoras, der eines Tages auf dem Marktplatze zu Athen, einer seinen Worten schweigend lauschenden Volksmenge erklärte, für ihn sei die Sonne weder ein Gott, noch eine Leuchte im Hause der Götter, sondern ein glühender Stein, um vieles größer, als die ganze griechische Halbinsel.