Die Flecken auf der Oberfläche des Tagesgestirnes treten nicht immer einzeln, sondern weit mehr in Gruppen auf. Solche Gruppen haben oft eine gewaltige Ausdehnung, von 150 000 und mehr Kilometern. In den Jahren 1905 bis 1913 konnte der Verfasser dieses Buches wiederholt einzelne Flecken und Fleckengruppen beobachten und vermessen, die so groß waren, daß man 8 bis 15 Erdkugeln, – nebeneinander gereiht, wie Perlen an einer Schnur, – in einer solchen Gruppe bequem hätte versenken können.

Da die Sonnenflecken sich rasch verändern, so halten sie auch nicht allzulange Stand auf der Oberfläche des Tagesgestirns. Flecken, die mehrere Tage oder gar Wochen andauern, sind eine große Seltenheit. Auch die Gruppen halten nicht allzulange an. Wenn eine solche im Begriffe ist, zu verschwinden, dann fließen die einzelnen Flecken, die diese Gruppe bilden, zusammen, verblassen allmählich und lassen an der Stelle ein weißglänzendes Geäder zurück. Wir haben dies »Fackel« genannt.

Die dunklen Kerne der einzelnen Flecken und der Fleckengruppen sind keineswegs dunkel, wie man meinen könnte; sondern sie strahlen immer noch 500mal mehr Licht aus, als unser Vollmond. Es ist ganz natürlich, daß diese seltsamen Gebilde, die auf eine überaus stürmische Tätigkeit im Innern unseres Zentralgestirnes (deshalb so genannt, weil es das Zentrum unseres Weltsystems ist), hindeuten, auch einen großen Einfluß auf die Körper ausüben, die zum Reiche unserer Sonne gehören.

Daß dies der Fall ist, können wir aus verschiedenen Erscheinungen auf unserer Erde folgern. Diese machen sich dann bemerkbar, wenn die Sonne reichlich mit Flecken bestanden ist.

So haben wir in dieser Zeit meist heftige Gewitter, trockene Sommer und grell leuchtende Polarlichter. Ferner werden dadurch auch die überseeischen Kabelleitungen, unsere elektrischen Anlagen beeinflußt, und die Polarlichter erscheinen in größerer Häufigkeit! –

Die Flecken auf der Oberfläche des Tagesgestirnes gehören zweifellos zu den interessantesten Gebilden, die wir auf ihm kennen! Was sind diese Flecken?

Die Astronomen vergangener Jahrhunderte haben sie für Löcher in der Atmosphäre unserer Sonne gehalten, durch die wir auf ihre dunkle Oberfläche herabsehen könnten. In moderner Zeit aber glaubt man, daß sie Täuschungen seien, die sich leicht unserem Auge aus solcher Entfernung vorspiegeln. Andere Astronomen halten sie für starke, elektromagnetische Erscheinungen, denn in und auf der Sonne spielen heftige elektrische Prozesse eine große Rolle.

Wieder andere, – und das dürfte wohl die richtige Ansicht sein, – nehmen an, daß, infolge heftiger Gasströmungen vom Innern des Sonnenkörpers her, die Lichthülle, – die Photosphäre, – durchbrochen wird, daß also die ausströmenden Massen aus dieser Öffnung hoch über das Tagesgestirn emporsteigen. Die Öffnung schließt sich entweder inzwischen von selbst, oder die herabstürzenden, abgekühlten Massen fallen wieder in sie hinein, oder sie schaffen eine neue Öffnung in der Sonnendecke. Die goldgelbe Schicht, die wir auch »Photosphäre« nennen, ist keineswegs die äußerste Umrandung des Sonnenballes!

Über ihr lagern vielmehr noch eine Reihe von anderen Schichten, – so zunächst die sogenannte »umkehrende Schicht«. Auf sie folgt dann die Farbenschicht oder die Chromosphäre. Diese wird deshalb so genannt, weil sie zum großen Teile aus glühendem Wasserstoff besteht, der diese gasige Schicht rot färbt.

Auf die Chromosphäre folgt die Korona.