Da, – eines Abends, als die Sonne untergegangen ist und die Sterne neugierig aus ihren Himmelsfenstern zur leidvollen Erde herabsehen, flammt unter ihnen ein ungewöhnliches Gestirn auf. Es steht am westlichen Horizonte und besitzt einen langen, lichten Schweif, den es über einen großen Teil des nächtlichen Firmamentes hinwegspannt.
Als die Menschen dieses flammende Zeichen erblicken, wird ihre Angst und Furcht noch größer, denn die »Rute am Himmel« bringt ihnen neue Not, neue Kriege und Krankheiten!
Im Glauben unserer Vorfahren waren ja die Kometen, – diese seltsamen, glanzvollen und geschweiften Gestirne, – nichts anderes, als »Unglücksboten und Geißeln Gottes«!
Wenn wir die alten Chroniken, die aus jenen Tagen stammen, nachschlagen, finden wir dies in ihnen zur Genüge bestätigt.
»Bald«, – so heißt es in den Schriften aus jener Zeit, – »zeigte sich ein Schweifstern, der aussah, wie ein Schwert, wie ein Speer, wie ein Menschenantlitz oder wie eine Mißgestalt! Achtfach ist das Unheil, das solch' ein Gestirn über die Erde und die Menschen bringt, nämlich Fieber, schwere Zeit, große Dürre, Krieg, Frost, Erdbeben, großer Menschen Tod und Umwälzungen in den Staaten!« –
Der Komet des Jahres 1460 wurde als ein »Sendbote des Satans« von den Menschen jener Tage angesehen und, als der große »Halleysche Komet« im Jahre 1682 in den Räumen des Weltalls erschien, da schrieb von ihm ein Professor in Marburg, daß dort eine Henne aus Angst vor dem Gestirne drei Eier gelegt habe, auf denen das Bild des Schweifsternes deutlich zu sehen war! –
Von all' dem Aberglauben, den unsere Vorfahren an diese prachtvollen Himmelserscheinungen geknüpft haben, ist in moderner Zeit nichts übrig geblieben. Vor dem prüfenden Blick moderner Forschung hat jener Wahnwitz nicht Stand zu halten vermocht! –
Die moderne Himmelsforschung hat gefunden, daß die schönen Schweifsterne nichts mit Hungersnot und Pest, nichts mit Krieg und anderem Elend zu tun haben, sondern, daß sie friedlich und harmlos auf ihrer Himmelsstraße einherziehen, wie alle die anderen Sterne!
Der Himmelsforscher der Gegenwart weiß ferner, daß die Kometen nichts anderes sind, als Ballen aus weltbildendem Stoffe, daß sie also aus jenem Urstoffe bestehen, den wir am Eingang dieses Buches bereits kennen gelernt haben.
Solche Urstoff- oder Nebelballen wandern durch den Sternenraum, ja es ist sogar sehr wahrscheinlich, daß unsere Sonne mit ihren Planeten zur Zeit durch ein Gebiet im Weltall schreitet, das mit viel Urstoff angefüllt ist, denn die zahlreichen Kometenerscheinungen in den letzten Jahren lassen diese Vermutung zu.