ieses sind die Begebenheiten / die ich jetzt erzählen will. Denn ich habe heute vernommen / wie des Kaisers Leben sich gewendet hat. Und ist von dieser Kunde ein heller Abglanz in mein Gemüt gefallen / also daß alle meine Erinnerungen aufleuchten / wie die Fenster eines Hauses in der abendlichen Sonne.

Ich war fünfundzwanzig Jahre alt und saß allein auf meinem festen Schlosse Rehberg / das in Böhmen liegt. Da kam Botschaft von meinem neuen Anverwandten Nikolaus Perrenot / dem Handwerkerssohn / der sich jetzt Herr von Granvella nannte und beim Kaiser Karl V. hoch begnadet war. Er habe gehört / schrieb mein Anverwandter / daß ich in den Wissenschaften erfahren / wie auch in der Kriegskunst wohl unterwiesen sei. Deswegen lade er mich ein / in des Kaisers Dienst zu treten und wolle sich gerne unterfangen / mir zu meinem Glück zu verhelfen. Es stünde anjetzt bei mir / den Rang und die Güter meines Geschlechtes zu mehren; am Ende gar noch das goldene Vließ zu gewinnen.

Leicht wäre es möglich / daß meine Sippe mir dereinst noch gram wird / weil ich hernach an jener Pforte / durch welche man zu hohen Würden / zu Reichtum und Kriegsglorie eingeht / infolge einer seltsamen Regung des Gemütes meine Schritte verhielt. Hat mich doch Herr Albrecht / der Markgraf von Kulmbach /einen Schelm geheißen /als ich des Kaisers Armada vor der Affäre von Geldern verließ / um für immer heimzukehren. Ich weiß es aber besser / daß ich kein Schelm bin / indem ich nicht anders handeln konnte und alles nur Gottes Wille gewesen ist / der mein Herz erschüttert und meinen Sinn gelenkt hat.

en Zins / den meine beiden Mieter mir noch schuldeten / trieb ich damals ein und ritt / von einem Waffenknecht geleitet / gen Augsburg. Es war ein wettergrauer Morgen / als ich eben auf den großen Platz vor des Kaisers Herberge kam. Da rührte sich nun ein erstaunliches Getümmel von Kriegsvolk / Wagen und Pferden / von Edelleuten / Schalksnarren und Schreibern / dergleichen ich noch nie vorher gesehen hatte. Auch der spanischen Kleidung ward ich allhier zum erstenmal gewahr.

Indem ich also langsam durch das Jahrmarktsgedränge ritt / in dem Getöse schreiender / singender und rufender Stimmen / davon der Widerhall sich an den reichen Häusern ringsumher brach / mitten in dem tapferen Schmettern der Trompeten und den Wirbelschlägen der Becken die stattlichen Pferde mir besah / die stolzen spanischen Herren musterte / die vielen kaiserlichen und reichsfürstlichen Fahnen betrachtete / war mir / als solle mein Leben jetzt wie ein rechtes Fest anheben und von Stund ab glanzvoll vor sich gehen. Ich atmete tief / um das Lachen der Freude / das mir vom Herzen her aufstieg / nicht laut herausschallen zu lassen. Es würgte mich ein wenig am Halse / tat aber nicht weh und blieb innen. In dem wunderbaren Tumult / der mich umgab / spürte ich die Nähe der gewaltigen Majestät des Kaisers / war frohen Mutes ihm zu dienen und bis an den Rand meines Wesens geschwellt von Ehrfurcht und Zuversicht.