Wie ich bei dem schweren Fuhrwerk vorbeikam / fiel mir wegen seines sonderbaren Betragens ein Bursche auf / daß ich stille hielt und ihm eine gute Weile zusah. Er stand vor seinen beiden Pferden / redete zu ihnen / und ich sah / wie er plötzlich den Kopf des einen / es war ein schwerer Eisenschimmel / umfaßte und ihn mitten auf die breite Stirne küßte. Die beiden Tiere drangen zärtlich auf ihn ein / und wie er gerade zwischen ihren Köpfen stand / legte jedes die Schnauze an sein Ohr / das eine rechts / das andere links / so daß es schien / als wollten sie ihm freundliche Dinge sagen / und als horche er mit Heiterkeit ihrem Zuspruch. Dann wieder streichelte er ihre Wangen / faßte sie unter dem Kinnbacken / ganz wie man Weiber karessiert. Dermaßen trieb er es eine Zeitlang / schien auf nichts zu achten / mitten im lärmenden Schwalle allein sich zu fühlen und es war einem Gespräch zwischen vertrauten Freunden vergleichbar / wie er mit seinen Rössern tat und seine Gäule mit ihm. War ein hochgewachsener Bursche / breitschultrig und mit mächtigen roten Händen. Wie ich aber sein Gesicht sah / war es völlig das fröhliche / arglose Antlitz eines gesunden Kindes und im selben Augenblicke ergriff mich eine unerklärliche / beinahe heftige Zuneigung für ihn / als sei er auch mein Freund / wie er derjenige seiner Zugpferde war.
Ich ritt dann weiter / behielt aber das anmutige Bild / das sich mir geboten / in meinem Gedächtnis. Vor des Kaisers Herberge / als ich aus dem Sattel gestiegen war / fehlte mein Waffenknecht zur Stelle. Er mochte im Gewühl des Marktes sich verloren haben / und ich fand mich allein. Da begab es sich / indem ich umherspähte / wer wohl mein Pferd derweil halten könne / daß jener Bursche mit einem Male vor mich hintrat und sich dazu erbot. Mir kam wieder jene merkwürdige Zuneigung in das Herz geschossen und ich fragte ihn leutselig nach seinem Namen.
»Kaspar Dinckel / gnädiger Herr« / sagte er mit einer bescheidenen / sanften Stimme.
Als ich ihn näher inquirierte / berichtete Kaspar / daß er mit vielen anderen Fuhrleuten aufgeboten sei / die neuen Kanonen / die der Kaiser hier in Augsburg und in Ulm habe gießen lassen / der Armada voraus zu kutschieren.
Da mich sein Wesen nun einmal gefangen hatte / fragte ich ihn / ob er in meine Dienste treten wolle.
Er möchte es schon gerne / meinte er / doch müsse ich ihn zuerst seiner jetzigen Pflicht entledigen.
Wie das zu machen sei?
Ich müsse es vor dem Herrn Hauptmann Rosenzwick / dem Befehlshaber der Kartaunen und Feldschlangen anbringen. Wenn der ihm die Freiheit verwillige und ihn aus dem Gedinge lasse / sei es getan.
Mir war ohnehin der Mut in dieser letzten Stunde gar hoch gestiegen und hier auf dem Markte zu Augsburg dachte ich am Borne aller Gnaden angelangt zu sein / aus dem ich mit vollen Händen schöpfen und ein paar Tropfen wohl verspritzen dürfe. Es stach mich / vor diesem lieben Gesellen als ein vielmögender Herr dazustehen und ich entgegnete mit wichtiger Miene / daß ich dem Herrn Hauptmann Rosenzwick schon ein Wörtlein sagen wolle. Hierauf wandte ich mich ab / um des Kaisers Haus zu betreten / sah aber noch / wie dem Fuhrknecht der helle Freudenfunke aus den Augen sprang / und gelobte mir / mein Wort noch heute zu lösen und den braven Burschen zu mir zu nehmen.