Wie ich aus dem Palaste trat / stand der Vollmond am Himmel und beschien den weiten Platz mit den schlafenden Häusern. Nur wenig Schritte hatte ich getan / da flog das eiserne Klirren rasenden Hufschlags durch die Stille. In dem tiefen Schatten einer engen Gasse kam es heran. Ich sah nichts als die Funken aus den Steinen spritzen / näher und näher / als liefe das Pferd dort auf einer schmalen Feuerspur durch die Finsternis. Und ehe ich mich noch besinnen konnte / brach es auch schon aus der Dunkelheit der Seitengasse in das freie Mondlicht: ein Rappe / vom Dampf seines Schweißes wie von einem Geisternebel umwallt / ein schwarzgepanzerter Mann darauf / dem der schwarze Mantel um die Schultern flatterte / und nur die goldene Mantelspange blitzte hell / als trage er seine glühend gewordene Seele mitten auf der Brust. Den Platz querüber sauste er dahin / und es war / da er vor dem Haus des Kaisers anhielt / nur ein einziger Augenblick: das letzte Aufsprühen der Funken unter dem dröhnenden Eisen / das Niederschmettern des Pferdes / das wie von einem Streich gefällt hinschlug / als wollte es die Flammen / die seine Hufe aus dem Boden gestampft hatten / mit dem eigenen Leib ersticken / und der jähe Sprung des Reiters auf die oberste Stufe des Tores. Aufgerichtet stand er als ein dünner schwarzer Streif vor der weißbeschienenen Mauer / dann glitt er wie ein Schatten in den Flur. Mir zuckte es / wie ich so völlig erstarrt da stand / durch die Glieder: Da ist der Satan um Mitternacht zu dem Kaiser gekommen... Dann zwang es mich gleich zu dem gestürzten Tier / aber wie ich mich darüber beugte / war es in Blut und Schaum verendet / und von dem Mondlicht / das in seinen gebrochenen Augen schimmerte / kam ein solches Grauen in mein Gemüt / daß ich erschreckt entfloh. Auf dem raschen Weg zur Herberge ward ich gepeinigt von einem Elend / das ich nicht kannte / dessen Nähe aber ich beklommen fühlte und ein Ahnen öffnete sich in mir wie eine frische Wunde / die schmerzhaft ist und blutet.
In meiner Stube aber war das kleine blonde Mädchen / das der Schnabel mir gesendet hatte. Die sparte mir das Alleinsein. Ich schloß sie erlöst in meine Arme / wie sie / als ich kam / nackend im Bette sich aufrichtete. Und ich ergötzte mich an ihr bis zum Morgen.
er Schnabel weckte mich frühe.
»Heraus mit Euch!« schrie er und seine Augen lachten über mir. »Die ganze Armada ist auf den Beinen / wir marschieren!«
Schnell war ich vom Lager auf und nach und nach fiel mir erst wieder ein / daß ich in Augsburg sei / und was mir seit gestern alles begegnet war.
»Der Markgraf hat schon Botschaft von Granvella« / erzählte mir der Schnabel / unterdessen ich mich rüstete. »Er soll Euch aufnehmen. Na / Euch kann's nicht fehlen / wenn der Granvella Euer Gönner ist...«
»Er ist mein Anverwandter...« sagte ich stolz.
Mir fiel der schwarze Reiter wieder ein und ich erzählte dem Schnabel von dieser Erscheinung.
»Das ist der Alba gewesen...« sagte er. »Der steht jetzt in Ungarn im Felde. Er hat ein junges Weib daheim in Spanien / und nun reitet er / wenn's der Krieg erlaubt / vierzehn Tage lang / um eine Nacht bei ihr zu schlafen.«