nd es sind viele Jahre verflossen seit jenem Tag. Kaspar / dachte ich damals... Er war gerechter gegen das liebe Vieh und milder / als der Kaiser gegen ihn gewesen. Der Kaiser / dachte ich weiter. So ist dies alles geschehen: Weil ich nur in seine Nähe kam / hat mich die Hoffahrt ergriffen / daß ich dem armen Burschen / der mir am Platz zu Augsburg die Zügel hielt / gleich meinen Dienst verhieß. Und dann hat mich dies Treiben so weit von meinem Worte fortgerissen / daß ich seiner nicht mehr gedachte. Wie geht das zu / dachte ich / was für eine Luft weht da / daß ich so schlecht werden mochte / solch ein Prahler / und so von Eitelkeit und von Untreue ergriffen? Neben mir stand der Rosenzwick in jenem Saale / wo die nackten Dirnen tanzten. Hätte ich ihn angeredet / mit wenig Worten nur gebeten / dann wär der Kaspar nicht mehr beim Fuhrwerk gewesen / sondern bei mir / der Kaiser hätte ihn nicht angeschrien und mit dem Stecken geschlagen / und er hätte dem Kaiser nicht die Peitschen ins Gesicht geschmitzt. Dann läge er jetzt nicht dort / als ein Toter auf dem Anger bei Augsburg / sondern könnte sich seines Lebens und seiner Jugend freuen noch viele Jahre. Ein Wort damals von mir / nur eines. Nicht einmal den Fuß hätte ich rühren brauchen / nicht einmal den Kopf wenden / nur den Mund auftun / so dicht stand der Rosenzwick an meiner Seite. Aber ich war in Völlerei / war in Wollust versunken / in schnöder Gier nach Rang und Ehre und hab' des armen / aufrichtigen Burschen vergessen. Und weiter ist es geschehen / weil diese Schuld auf mir lag / daß mein Herz jauchzte / als ich den Peitschenhieb gegen des Kaisers Antlitz erblickte. Es ist geschehen / daß dieser geringe Bursche / dem ich die Treue gebrochen / vor mir den Arm erhob und gleichsam den Schleier von des Kaisers Angesicht herabriß / also daß er mir als ein kleiner und elender Mensch plötzlich enthüllt ward. Es ist geschehen / daß ich ihn keuchend boshaft / mit Schaum vor dem Mund in all seinem Jammer erschaute / daß ich den feigen Blick aus seinen Augen ertappte und daß ich in meinem Gemüte vergeblich suchte nach der frommen Ehrfurcht vor dem Gesalbten des Herrn. Was war aus mir geworden von einem Tag auf den andern seit ich in Augsburg eingeritten voll Andacht und Achtung und voll Begier / dem Kaiser mein Schwert zu weihen? Es hatte sich also gewendet / daß ich ihn / wie ein Verräter / heimlich einen spanischen Bösewicht gescholten / und daß mein Arm als Rebell nach dem Schwert gezuckt hatte / um es gegen meinen Herrn zu ziehen. Es hatte sich also gewendet / daß mir jener niedere Knecht / der unter meines Pferdes Hufen veratmet hatte / teuerer war / als Kaiser Karls Majestät.

Und es sind viele Jahre verflossen seit jenem Tag. Nun aber ist mir die Kunde geworden / Kaiser Karl habe vor wenig Monden all seine Kronen von sich abgetan / sei in ein spanisch Kloster gegangen / und ein Mönch geworden. Ist ihm doch auch nicht wohl gewesen / und ich hab ihn am Ende doch nicht gekannt. Was wußte der Kulmbach von mir / und was konnte er denken / da ich ihm so davonging. Und was weiß ich vom Kaiser / als daß er in jener Unglücksstunde zornig gewesen. Einen Schelm hat mich der Markgraf geheißen / aber das ist leicht gesagt. Die Menschen reden und wissen nichts voneinander / und man kann es ihnen auf keine Art beweisen / wie sie Unrecht tun. Und die Welt ist so geworden / daß der Kaiser des Kaisers Sache verläßt. Ich bin kein Schelm. In Gottes Namen.


Druck von W. Drugulin in Leipzig.

Anmerkungen des Bearbeiters
Der Text des Originals wurde unverändert übernommen. Dies betrifft auch unterschiedliche Schreibweisen.