nten vor der Haustür traf ich meinen Waffenknecht mit den Pferden. Ich hatte allbereits vergessen / daß er sich heute früh / als wir hereinritten / verloren hatte. Und daß jener andere Bursche derweil meinen Gaul gewartet / daran dachte ich kaum. Nur wenige Stunden war ich im Hause des Kaisers gewesen / mir aber schien es / als hätte ich unterdessen manches Jahr durchlebt. Wie lange war das her / seit ich an dieser erlauchten Schwelle vom Sattel gestiegen? Und was war ich damals noch? Ein armer / weltunkundiger Junker. Jetzt aber meinte ich zu des Kaisers vertrauter Gesellschaft zu zählen; einer von denen zu sein / ohne welche er nicht zu Tische ging. Als ich hier die Bügel verließ / trat ich auf / wie ich es eben gewohnt war / hielt mich / ohne weiter auf mein Gehaben zu achten / und wußte es nicht besser. Jetzt aber mühte ich mich ab / den stolzen Schritt der spanischen Herren nachzuahmen / ihren feierlichen / großen Anstand / und mein Gesicht sogar versuchte die bedenkliche Wichtigkeit der Mienen anzunehmen / die ich am Kaiser gesehen hatte. Wie fern war jene Morgenstunde von diesem Mittag.
Der Schreiber führte uns durch ein paar enge Gäßchen. Seiner Reden hatte ich weiter nicht acht / da er mir von meiner Unterkunft schwatzte / und daß ich es jetzt sicherlich zufrieden sein werde / ein wenig ausruhen zu dürfen. Mir war es nicht nach stille liegen noch nach Ruhe und ich merkte scharf auf das üppige Treiben / durch das wir schritten / bestaunte die vergoldeten / purpurn ausgeschlagenen Sänften / die uns begegneten / die Kavaliere auf prunkvoll geschirrten Pferden / die fremdländischen Soldaten / die in kleinen Rotten unter Trommelschlag dahermarschierten / die schönen Frauen / die ihren weißen Hals und ihre runden Brüste merken ließen / und dann die Kramläden / darinnen vielerlei gleißende Waren auslagen.
Wir kamen vor ein stattliches Haus / von dem mir der Schreiber sagte / es sei des Kaisers Eigentum / der eine Menge Edelleute und Offiziere in des Reiches Dienst darin wohnen lasse / und es sei auf Granvellas Befehl auch schon für mich eine Stuben allda bereitet.
Es war ein wohlstaffiertes helles Gelaß / und indem wir es betraten / sprach der Schreiber: »Hier hat bisher der Georg Dux gehaust. Kennt Ihr ihn nicht? Er ist des Bayernherzogs Wilhelm Bastard und Obrist über fünf Fahnen.«
Dieses war ein Umstand / der mich sehr in Aufregung brachte / denn ich hatte wohl eingesehen / daß hier am Hofe alles nach einer strengen Ordnung vor sich ging und nichts ohne Bedeutung geschah. Deshalb überlegte ich / es müsse wahrscheinlich kein Geringes sein / wozu mein Oheim Granvella mich ausersehen habe / weil er mich das Quartier solch eines hochgeborenen Herrn beziehen ließ.
Als dann mein Waffenknecht mit dem Reisesack kam / sah ich mich schon als einen Obristen über fünf Fahnen wie den Dux / mit einer breiten Feldschärpen um den Leib / und eine goldene Gnadenkette hatte ich mir auch schon um den Hals gedacht. Während ich auf dem schöngedielten Boden hin und her ging / war ich meinen Hoffnungen völlig dahingegeben / die mich gepackt hatten und all mein Denken in die Ferne schleiften. Ich warf mich endlich gar vor dem Kruzifix / das ob dem Bette hing / in die Knie / um den Heiland anzuflehen / er möge mir soviel Ehre geben / als ein braver Edelmann nur immer in des Kaisers Diensten gewinnen könne / und dabei stand auf einmal der schöne Herr Philippe de Beaume vor meiner Seele. Ich sah ihn mit den blütenweißen Spitzenkragen / den Borten am Kleide / mit seinem munteren / von der Wichtigkeit der Aufwartung angestrafften Gesicht / und ich dachte mir aus / daß es auch mir dereinst könne gewährt sein / dem Kaiser das Federkielchen zu reichen / wenn er gespeist hatte.
Mein Waffenknecht / der ein stiller / unterwürfiger Mann war / ließ mich zufrieden / da er mich so in mich selbst versunken sah / und ordnete nur schweigsam / auf den Fußspitzen hin und her gehend / meine Habseligkeiten. Wie ich aber dann meine Kleider musterte und bekümmert überlegte / daß es doch ein gar zu unansehnlicher Staat sei / unterfing er sich mich anzureden.
»Ein tolles Wesen / hier in Augsburg ... gnädiger Junker« / meinte er leise.
»Schön ist's / lieber Jakob« / sagte ich darauf / so recht aus meiner Freude heraus.