»Ja geben« / erwiderte Jakob. »Er hat sich's nicht aufdrängen lassen. >Den lieben Herrn seh' ich schon wieder< / rief er und war weg.«

Mir war's ordentlich wie eine Freude / daß dieser Bursch mich einen lieben Herrn nannte. Und daß er's dem Jakob nicht gleich aufgebunden hatte / ich wolle ihn zu mir nehmen / erschien mir als eine zarte Handlung. Jetzt aber empfand ich es auch plötzlich sehr stark / daß ich mein Wort bei ihm gelassen und noch mit keinem Gedanken eingelöst hatte und ich wollte sogleich zu ihm senden / damit er mir seinen Hauptmann weise.

»Weißt Du wie der Bursche heißt?« fragte ich Jakob.

»Nein.«

»Also / er heißt Kaspar Dinckel und ist von den Fuhrleuten...«

In diesem Augenblick ward die Türe aufgestoßen / ein Page lief erhitzt herein und rief mir zu: »Der Bischof von Arras läßt Euch zur Tafel bitten. Folgt mir / so schnell Ihr könnt / ich soll Euch hinführen. Aber rasch. Die Herren sind schon bei Tisch.«

Dies neue Ereignis gab mir einen gewaltigen Ruck / daß ich ganz kopflos wurde / an nichts weiter mehr dachte und mich in großer Hast mit dem Knaben des Bischofs hinweg begab.

Wir hatten nur ein paar Schritte zu laufen und langten auch schon vor dem Hause an / wo der von Arras wohnte. Der Page die Treppe hinauf / immer voran / öffnete. Eine lang hingestreckte festliche Tafel schimmerte mir entgegen. Lärm / Gelächter / Rufen füllten den hochgewölbten Saal. Denn es waren gut ihrer vierzig Herren da beisammen. Diener / Mundschänken / Edelknaben huschten hin und her oder standen aufwartend hinter den Stühlen. Der Bischof hieß mich willkommen / hochmütig und kalten Tones wie ich ihn nun schon kannte. Er winkte einem Kavalier / der uns vom Tische her ansah und nun herbeikam: »Das ist mein Bruder Thomas / derselbe / der Euere Base Margarete zur Frau hat.« Herr Thomas Perrenot gab mir artig die Hand und sagte: »Es trifft sich gut / daß ich eben heute in Augsburg bin.« Es war ein vornehmer Herr von etwa dreißig Jahren / der den schwarzen Bart nach der spanischen Mode trug. Er war hochgewachsen / aber ebenso mager und bleich wie der Bischof. Damals diente er dem Erzherzog Max / demselben / der heutzutage als Kaiser über uns regiert. »Wie geht es meiner Base?« fragte ich / und es verdroß mich dabei / daß mir schon wieder vor diesen Enkeln eines Schlossers aus lauter Befangenheit der Atem stockte. »Ich hoffe gut« / sagte Thomas gleichgültig und schaute nach dem Sessel / den er eben verlassen. »Grüßt sie von mir und findet sie in Gesundheit wieder« / sprach ich und zwang mich dabei zu einem weltläufigen / gelassenen Ton. Er nickte kurz und trat von mir weg.

Zum erstenmal in meinem Leben saß ich nun in so erhabener Versammlung / speiste mit großen Herren und hatte eine Weile nichts zu tun / als darauf zu achten / wie sie sich untereinander auf spanisch / lateinisch / deutsch und französisch unterhielten.