»Ah was …, eine Hur …«, rief Rudolf, »jetzt tut's doch dasselbe was die Zenzi macht …, da ist nix dabei …, und tausende Mädchen müssen sich so ihr Geld verdienen …«
»Das ist schon richtig …«, mein Vater blickte unschlüssig drein, »aber …«
»Aber hin, aber her …«, Rudolf hatte seinen strengen Ton, »glauben Sie, wenn Sie das Mädel pudern, der eigene Vater, das ist vielleicht besser …? Na also … Die Zenzi«, fuhr er fort, »die Zenzi verkehrt nur mit lauter feine Herren …, die laßt gar keinen ordinären Menschen drüber. Was glauben S' denn? Die hab' ich schon dressiert …, und die Herren, von denen sich die Zenzi pudern läßt, die sind alleweil noch nobler als der Katechet, der die Peperl gefickt hat und nicht einmal was gezahlt hat er ihr. Der Schmutzian.«
»Der Schmutzian …«, sagte mein Vater in nachträglicher Entrüstung.
»Na, und was möcht's denn der Pepi schaden, wenn sie jetzt für ihren Vater was verdienen tät?« fragte Rudolf. »Sie haben sich lang genug für Ihre Kinder geplagt …«
»Ja, da haben S' ganz recht …« pflichtete mein Vater bei.
»Na also …, lassen S' die Pepi nur mit der Zenzi gehn, und die bringt Ihnen alle Tag mindestens drei Gulden nach Haus …, da garantier' ich schon dafür …, so ein schönes Mädel wie sie.«
Ich war sehr geschmeichelt, aber mein Vater fragte ängstlich: »Und die Polizei?«
»A was, die Polizei …«, machte Rudolf verächtlich, »hab' ich vielleicht schon einmal wegen der Zenzi einen Anstand gehabt? Lassen Sie nur die Zenzi machen, die kennt sich aus …«
»Wenn aber doch einmal …«, mein Vater hatte Angst.