»Na, und wenn schon …«, lachte Rudolf, »nachher sagen Sie, Sie wissen von nix …, und das Mädel ist von selber so schlecht … Die Pepi wird Sie nicht verraten.«

Somit wußte ich also, daß ich mich vor der Polizei in Acht zu nehmen hatte. Ich schwieg die ganze Zeit und wurde auch nicht gefragt. Mein Vater überlegte hin und her, dann wiederholte er: »Nein, ich mag nicht, daß das Mädel eine Hur wird …«

»Aber davon ist doch keine Red«, unterbrach ihn Rudolf, »das ist ja nur bis Sie wieder eine Arbeit gefunden haben …, dann kann ja die Pepi auch wieder solid werden …«

Diese Logik leuchtete meinem Vater ein, und Rudolf gewann ihn ganz, als er hinzufügte: »Ich lass' die Zenzi ja auch nur wieder vögeln, weil ich vazierend bin. Bis ich eine Stelle hab', muß sie wieder brav sein.«

Am nächsten Tag rückte ich mit Zenzi aus. Es war beschlossen worden, und so begann ich meine Laufbahn. Wir gingen in die innere Stadt, auf den Graben, Stephansplatz, Kärntnerstraße usw. Es war Sommer, heiß und wir hatten nur leichte Blusen an. Dazu hatte mich Zenzi zu Hause gelehrt, mir das Hemd bis zum Gürtel herabzulassen, so daß ich die Brust unter dem Kleid bloß hatte.

Zenzi war sehr geschickt und lachte auf dem Wege allen Männern ins Gesicht. Ich brachte das nicht gleich zuwege, denn ich war befangen, aber ich schaute ihnen dafür ernst in die Augen und das genügte. In der Schönlaterngasse war ein finsteres altes Haus mit einem engen finsteren Flur. Dorthin führte mich Zenzi. Wenn man ins Tor ging, kam man zu einer Tür. Sie klopfte, und ein häßliches, altes Weib öffnete. Wir standen in einer Küche, in der man fast gar nichts sah, und von der aus man in ein Kabinett kam, das ebenso lichtlos war.

»Meine Freundin wird auch herkommen«, sagte Zenzi.

Die Alte schaute mich prüfend an und fragte: »Sind S' schon vierzehn Jahr vorbei …?« – »Schon längst«, log Zenzi für mich, »sie ist nur noch ein bisserl klein …«

»Sie wissen ja …«, sagte die Alte zu mir, »für jedesmal zahln S' mir einen Gulden …, aber Sie dürfen mir nie um acht Uhr am Abend herkommen …«

Wir gingen wieder. Zenzi gab mir Ratschläge, vor allem den, auf die Polizeimänner aufzupassen, und von den Herren das Geld zu verlangen, bevor man sie noch zuließ.