„Roda“, ergänze ich.

„Tja, ja, Herr Roda! Schade, daß Sie nicht gestern gekommen sind, wir haben so herrlichen Kuchen gehabt. Aber immerhin — Sie sind auch heute willkommen. Meine Schwägerin in Nisch ...“

„Wie, Sie haben auch eine Schwägerin in Nisch?“ frage ich — fast erschrocken vor Freude darüber, daß Milans Rezept so prächtig zutrifft.

„Ja. Haben Sie auch eine Schwägerin in Nisch? ... Gesundheit, Herr Roda! Stoßen Sie an! ... Brr! Großartige Ware, der Schnaps, was? 's ist aber auch Eigenbau. Das heißt nämlich eigentlich kein Eigenbau, denn er stammt von meinem Oheim, der ihn leider Gottes nicht trinken kann.“

„Oh! Ist er tot, Ihr Oheim?“

„Schlimmer als das. Denken Sie nur: er ist in Poscharewatz eingesperrt ... Was haben Sie? Was staunen Sie?“

„Hm ... nichts, wirklich nichts ... Sagen Sie doch, bitte, Herr Bojanitsch, hat jede Belgrader Familie einen Oheim in Poscharewatz sitzen?“

„Wie witzig Sie sind! Ja, die Herren Ausländer! Das bringt den Geist aus der Welt mit. Ein andres Leben da draußen als hier auf dem Balkan — wie? Na, es wird auch bei uns einmal anders werden. Denn, nehmen wir an, der Berliner Vertrag wird eines schönen Tages revidiert ...“

„Um Gottes willen, nur nicht zu viel von der Politik!“ rufe ich, eingedenk der Warnung Milans.

„Sie haben recht. Es ist ein undankbares Ding. Was dich nicht brennt, das blase nicht. Sie sind ein Oesterreicher, nicht wahr? Tja, ja — zunächst hängt unser Heil doch nur von Oesterreich ab ...“ Joso Bojanitsch beginnt den Kopf zu wiegen. „Anitze, sag ich immer zu meiner Frau, Anitze ...“