„So komm nur erst mit mir, da sollst du alles hören.“

Wir gingen im Kalimegdankkpark auf und ab. Dort erklärte mir Milan meine Pflichten und wie ich es anstellen müsse, die Leute zu bewegen, daß sie sich versichern ließen.

„Denn gern tun sies nicht,“ erzählte mir Milan. „Manchem muß man Zureden wie einem kranken Pferd. Zuerst fragt man ihn nach der Schwägerin in Nisch und ob der Onkel noch in Poscharewatz im Kerker sitze ... unschuldig natürlich. Dann kommt man langsam, ganz langsam auf die Politik zu reden. Ist der Kerl radikal, so schimpft man über die Schwaben, und sonst über die Russen, aber immer nur mäßig und ohne Hitze. Kommt die Sprache auf die Regierung, so wiegst du bedächtig den Kopf und sagst: „Sie werden sehen, es kommt bei diesem System nichts gutes heraus“ — und bist gleich beim Wetter. Davon kann man viel erzählen. Nach und nach lenkst du das Gespräch entweder auf den Hagel, auf den Blitz oder die vielen Halsentzündungen — je nach dem, was versichert werden soll. Du spielst mit der Hand in der Tasche, und auf einmal hast du ein Prospektchen in den Fingern. Das wäre dir rein zufällig untergekommen, sagst du — und so gibt ein Wort das andre ... Wenn du aber Generalinspektor werden willst, mußt du mir heute noch den Joso Bojanitsch versichern. Er wohnt auf der Terasija, gleich beim alten Brunnen. Versuchs doch einmal, Alterchen. Viel Glück auf den Weg!“

Er klopft mir noch auf die Schulter — und weg ist er.


„Gesundheit! Guten Tag!“ sagte Joso Bojanitsch ungemein zärtlich.

Ich freue mich über die gute Vorbedeutung des ersten Empfanges.

„Nehmen Sie doch Platz bei mir. Anitze! Anitze! Bring Schnaps für den Herrn!“

„O, ich danke,“ entgegne ich geschmeichelt. „Zu viel Ehre!“

„Nehmen Sie mit wenigem vorlieb, Herr ...“