Den grössten Theil ihrer Reisernte verwandeln sie in Bundang oder Siniput, ein saures, berauschendes Bier (Semper, Erdk. XIII, 92). Ein anderer gegohrener Trank wird aus Zuckerrohr bereitet und heisst „Basig” oder „Basi”.
Von den civilisirten Malaienstämmen der Philippinen unterscheiden sie sich vorteilhaft dadurch, dass sie keinen Buyo kauen, dagegen rauchen Männer und Weiber von früher Jugend an leidenschaftlich Tabak, und zwar aus Pfeifen (Lillo 30). Letztere werden von ihnen selbst fabricirt und bestehen aus Stein, Holz oder Bronze (Messing).
Sobald ein Weib Geburtswehen fühlt, eilt sie zu einem Flusse oder Bache, in dessen Wasser sie das neugeborene Kind sofort badet, dann legt sie das Kindlein in eine Art Korb, der über den Schultern festgehalten wird und geht damit heim (Ilustracion 1860, n. 12, p. 152). Werden Zwillinge geboren, so wird das zuletzt geborene Kind der ersten besten Familie geschenkt, die es adoptiren will; findet sich Niemand, der sich des armen Wesens erbarmt, so wird das Kind erwürgt oder lebendig begraben (Lillo 25). Dieser barbarische Brauch ist im raschen Schwinden begriffen. Das neugeborene Kind erhält den Namen desjenigen, der es zuerst beschenkt, doch werden die Namen im Leben mehrmals gewechselt (Lillo, l. c.).
Entgegen den liederlichen Sitten der Tagalen und Visayer hüten die Igorroten ängstlich die Keuschheit ihrer Mädchen. Sobald die Kinder geschlechtsreif werden, tritt eine vollständige Isolirung der Jünglinge und Mädchen ein. In jedem Dorfe giebt es zwei grosse Häuser, in dem einen bringen die Jungfrauen, in dem anderen die Jünglinge die Nacht zu; ein Greis bei den letzteren, eine Greisin bei ersteren führen die Oberaufsicht und verhindern, dass Jemand zur Nachtzeit sich hinaus- oder hereinschleiche (Lillo 27). Bei Tage werden die Jungfrauen bei jedem Ausgange von älteren Frauen ihrer Familie oder dem Vater selbst begleitet und bewacht (Lillo, l. c.). Der Fehltritt eines Mädchens wurde bei einigen Stämmen mit dem Tode (Mas, pobl. 23), bei anderen durch schwere Züchtigung bestraft (Lillo 29). Diese Strenge bewirkte, dass die Mädchen, welche ihren Trieben freie Zügel schiessen liessen, indem sie die Wachsamkeit ihrer Aufseher täuschten, vorgaben, von Affen im Walde genothzüchtigt worden zu sein (Mittheilungen des Fray Lorenzo Juan in Mas, pobl. 23). Der Verkehr mit den eingewanderten christlichen Ilocanen und Pangasinanen, sowie mit den Soldaten der Forts hat diese reinen Sitten auf vielen Punkten untergraben (Lillo 32).
Verliebt sich ein Jüngling in ein Mädchen und sind beide Eltern einem Ehebündnisse ihrer Kinder geneigt, so gestatten die Eltern der Braut dem Jünglinge, mit ihrer Tochter im Concubinate zu leben, denn es gilt vor Allem, die Fruchtbarkeit derselben zu erproben (Lillo 27). Wird die Braut binnen einer bestimmten Frist schwanger, so findet erst die Hochzeit Statt, im entgegengesetzten Falle tritt der Bräutigam zurück (Lillo, l. c.). Wer ohne Grund seine Braut verliess, wurde früher geköpft (Lillo 29). Die Hochzeit beginnt mit einem religiösen Acte: die Priesterin erscheint, und unter Anrufung der Anitos verrichtet sie in Gegenwart aller Verwandten ihren Hocuspocus. Während der ganzen Ceremonie ruht der Fuss des Bräutigams auf dem der Braut (Lillo 27). Dann folgt der Festschmaus, welcher oft 8 bis 9 Tage dauert, während dieser Zeit bleibt das Ehepaar unsichtbar (Mas, pobl. 19).
Die Igorroten kennen nur die Monogamie, und die Heiligkeit der Ehe wird ungemein hochgehalten. Die noch unabhängigen Igorroten tödten jedes ehebrecherische Weib durch Kopfabschlagen, die unter spanischer Herrschaft stehenden lassen es mit einer schweren körperlichen Züchtigung bewenden (Lillo 29). Die Ehen sind nur durch den Tod löslich (Lillo 27). Die Witwe gehört zur Familie ihres verstorbenen Gatten, ohne deren (seltene) Einwilligung sie sich nicht wieder vermählen darf, in welchem Falle sie jedes Recht auf ihre Kinder von ihrem ersten Gatten verliert, deren Vormundschaft und Schutz der Familie desselben zufällt (Lillo 27). Der Witwer darf sich erst nach sieben Jahren wieder verheirathen, während dieser ganzen Zeit fordert der gute Anstand von ihm, durch dumpfes Stillschweigen und Vorsichhinbrüten, sowie durch gänzliche Vernachlässigung der ohnehin geringen körperlichen Reinlichkeit, seine Trauer um die verstorbene Gattin zur Schau zu tragen (Lillo, l. c.).
Im Familienleben der Igorroten fällt angenehm die Hochachtung auf, welche den Greisen gezollt wird (Lillo 29), minder vortheilhaft klingt die Meldung, dass noch im Anfange dieses Jahrhunderts die Igorroten ihre Kinder gern an die guten Christen von Ilócos und Pangasinán verkauften. Die Kinder wurden von den „edlen” Indiern zu Viehhirten und Knechten aufgezogen, der Preis schwankte zwischen 20 bis 30 Pesos, nur mit grosser Mühe gelang es der spanischen Regierung, diesen schändlichen Handel mit lebendigem Menschenfleisch auszurotten (Mas, pobl. 34).
Ist ein vornehmer Igorrote verschieden, so wird eine Priesterin geholt, welche an die Leiche Fragen stellt, wie z. B.: „Warum hast du deine Verwandten und Freunde verlassen?” Dann werden alle Verwandten, auch die entferntesten, von dem Todesfalle benachrichtigt, welche auch insgesammt erscheinen; jeder tritt vor den Todten, grüsst ihn und drückt ihm die Hand, wobei er die oben erwähnte Frage der Priesterin wiederholt. Der Leichnam wird nicht eher begraben, als bis alle Blutsfreunde ihm diese letzte Ehrenbezeugung erwiesen, was oft 8 bis 9 Tage währt; bei den mehr civilisirten Igorroten wird die Leiche früher bestattet oder wenigstens auf den Friedhof gebracht (Lillo 25 f.). Während der ganzen Zeit, wo der Todte von seinen Verwandten begrüsst und besucht wird, feiert man vor dem Hause ein Cañao (Fest), d. h. es werden ungeheuere Quantitäten Fleisch und Reis verschlungen und noch viel mehr Basi getrunken. Der Aufwand ist oft so übertrieben, dass manche Familie durch ein solches Todtenfest vollständig verarmt (Lillo 26). Die Igorroten von Benguet begraben ihre Todten ohne die angeführten Ceremonien und überdiess kurze Zeit nach der Sterbestunde (Semper, Erdk. XIII, 95). In einigen Gegenden werden die Leichen über einem Feuer gedörrt (Lillo 26 u. Semper, l. c.) in anderen, wiewohl selten, auch einbalsamirt (Semper, Erdk., l. c.). Der Leichnam wird sitzend (Lillo 26, Semper, l. c.) in einen kistenartigen Sarg gesteckt, welcher, wenigstens in Lepanto, aus einem Holze verfertigt wird, das angeblich die Fäulniss verhindert (Lillo, l. c.). In Benguet bestehen die Särge, an welchen mitunter Schnitzereien angebracht sind, aus Fichtenholzbrettern (Semper, Erd. XIII, 96). In den Sarg werden Lebensmittel mitgegeben. Ein Sarg enthält oft zwei und mehr Leichen (Semper, Erdk. XIII, 96). In Benguet werden die Todten meist unter oder neben den Häusern bestattet (Semper, Erdk. XIII, 95), jedoch werden mit Vorliebe Höhlen zu Begräbnissplätzen ausgesucht (Lillo 6), was um so bemerkenswerther ist, als auch die Visayer vor der Annahme des Christenthums dieselbe Weise der Todtenbestattung ausübten. Die Höhlen werden, wo die Natur sie nicht gebildet, künstlich vermittelst des Feuers in den Felsen hineingearbeitet (Semper, Erdk. XIII, 96). Die Begräbnissstätten der Häuptlinge und Vornehmen heissen „Luddut”, jede Familie hat da ihren bestimmten Platz, gleichsam ihre Familiengruft (Mas, pobl. 18). Früher geschah es mitunter, dass die Leiche (bei Leuten geringeren Standes) von den Cañao-Festgenossen aufgezehrt wurde. Mas (pobl. 19) erwähnt einen solchen Vorfall, der sich in der Igorroten-Niederlassung Baruncucureng bei dem Pueblo Tagudin noch in diesem Jahrhunderte zugetragen hat.
Jeder Mord und Todtschlag, welchen ein Fremder verübt, wird durch Blutrache gegen dessen Dorf gesühnt, falls nicht Wehrgeld erlegt wird (Mas, pobl. 18). Bei ihrem zu Gewaltthaten geneigten Sinne und dem Ruhm, den jener geniesst, der seine Hütte mit recht vielen Menschenschädeln schmücken kann, nimmt die Schlächterei unter ihnen nur dort ein Ende, wo die Autorität der spanischen Behörden volles Gewicht hat. Die Igorroten von Benguet zeichneten sich durch eine grössere Kriegslust aus als die Buriks und Busaos. Die Bewohner von Ilócos und Pangasinán waren in den Zeiten, wo die Igorroten noch unabhängig waren, beständig durch Banden dieser Kopfjäger beunruhigt. Bei einzelnen Stämmen herrschte früher der Brauch, dass, wenn ein Todter 2, 3, 4 &c. Finger der Hand ausgestreckt hielt, seine Hinterbliebenen ebensoviele Menschen tödten mussten; so nahm das Morden kein Ende (Mas, pobl. 23). In der bestialischen Wuth tranken sie mitunter das warme Blut des Unglücklichen, dem sie soeben den Kopf abgeschlagen (Mas, pobl. 22). Kehrte ein Kopfjäger mit seiner schauerlichen Beute heim, so erschienen die gesammten Bewohner des Ortes in dem Hause desselben und tanzten unter wildem Geschrei und Gejohle um die blutigen Feindesköpfe, Reis- und Zuckerrohr-Branntwein wurde in Massen vertilgt, und Tage verstrichen oft, ehe diese entsetzliche Festlichkeit endete, welche den Blutdurst und die Roheit der Igorroten in grellem Lichte offenbarte (Lillo 24). Den Krieg führten sie am liebsten im Hinterhalte, wurden sie aber vom Feinde im offenen Felde angegriffen, so wussten sie sich mit grosser Bravour zu vertheidigen. Wollten die Igorroten herannahenden Fremden erklären, dass ein Betreten ihres Gebietes gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung wäre, so legten sie Bogen und Pfeil auf den Weg und besprengten die Erde mit Blut (Mas, pobl. 44). Sie warfen auch Schanzen auf, um Feinden den Zugang in ihre Thäler zu versperren (Galvey’s Tagebuch in Mas, pobl. 58).
Ihre Religion erinnert lebhaft an jene der alten Tagalen. Sie glauben an ein oberstes göttliches Wesen, welches die ganze Schöpfung regiert und nennen es „Apu” oder „Apo” oder (in Lepanto) „Lumaoig” (Lillo 21). Die Gemahlin des Apu heisst Bangan, seine Kinder sind der Sohn Ubban und die Tochter Bugan. Ausserdem giebt es zwei Untergötter: Cabigat und Suyan. Diese Gottheiten wohnen am westlichen Himmel und stehen mit den Menschen durch die Anitos im Verkehr (Lillo, l. c.). Die Namen der Götter werden in jedem Dorfe verschieden angegeben. Donnert es, so sagen sie, der Gott Cabuniang verlange Schweine[8] zum Opfer, sie kommen auch seinem Verlangen unter grossen Festlichkeiten nach (Mas, pobl. 16). Den Igorroten am Rio Agno wird die Sonne zur Gottheit, als deren Kinder die Götter Magsib und Caspök gelten, welche letzteren in Krankheitsfällen angerufen werden und auch sonst einen in Festlichkeiten bestehenden Cultus besitzen (Semper, Erdkunde XIII, 94).