Im Bergbau übertrafen sie die übrigen Malaienstämme der Philippinen. Die reichen Kupferminen um den Mte. Datá, in Mancayan &c. werden von ihnen ergiebig ausgebeutet, ebenso die Goldgruben von Acupan, Apayao und Suyuc. Jede Familie in den erzführenden Districten hatte ihr eigenes streng abgegrenztes Schürfgebiet. „Zur Förderung des Erzes bedienten sie sich des Feuersetzens, indem sie an geeigneten Stellen Feuer anzündeten, um durch die Spannkraft des in den Spalten enthaltenen erhitzten Wassers, mit Zuhülfenahme eiserner Werkzeuge den Felsen zu zerkleinern. Die erste Scheidung des Erzes wurde in dem Stollen selbst vorgenommen, das taube Gestein blieb liegen und erhöhte den Boden, so dass bei späterem Feuersetzen die Flamme der Holzstösse stets die Decke traf” (Santos, Informe sobre las minas de cobre, in Jagor, Reisen, p. 147). Reiche Erze wurden einfach geschmolzen, die quarzhaltigen einer sehr starken Röstung unterzogen (Jagor, l. c.). Scheidnagel (p. 98) führt die Gattungen des Goldgewinnes an: Die einfache Wäsche, Galerienbau und Zerklopfen des erzhaltigen Gesteines. Die Schmelzöfen der Igorroten bestehen aus einer runden Vertiefung im Thone und haben einen Durchmesser von 0,3 m und eine Tiefe von 0,15 m. „Eine damit in Verbindung stehende 30° gegen die Vertiefung geneigte conische Röhre von feuerfestem Gestein nahm zwei Bambusrohre auf, die in die unteren Enden zweier ausgehöhlter Fichtenstämme eingepasst waren, in denen sich zwei an ihrem Umfange mit trockenem Grase oder Federn bekleidete Scheiben abwechselnd auf- und abbewegten und die für das Schmelzen erforderliche Luft zuführten” (Jagor, l. c. 148). Der Kupferbergbau hat stark nachgelassen (Drasche, Fragm. zu einer Geol. 36), indem die reichsten Kupferminen sich jetzt im Besitze spanischer Actiengesellschaften und Capitalisten befinden, bei denen die Igorroten, die einstigen Grubenbesitzer, Taglöhnerdienste verrichten (Lillo 52). Das Goldwaschen ist noch heute in ihren Händen; in den Zeiten ihrer Unabhängigkeit war der Goldhandel allein Monopol der vornehmen Familien, denen die Plebejer—wenn ich so sagen darf—alles gefundene Gold abliefern mussten (Mozo 81). Die Igorroten in der Umgebung von Suyuc bringen noch jetzt Gold im Werthe von 12 000 Dollars in den Handel (Lillo 42).
In den Zeiten der Unabhängigkeit bildete—und für die noch jetzt nicht unterworfenen Stämme gilt dasselbe—jedes Dorf einen Staat für sich (Lillo 17), wir finden also hier, wie schon Mas erwähnte (Mas, historia I, 10), dieselbe staatliche Zersplitterung wie bei den heutigen Indios civilisados in der Periode der Conquista. Der Häuptling des Dorfes gehört dem Adel an, jedoch scheint diese Würde nicht in einer einzigen Familie erblich zu sein, sondern der Tapferste—dann Mainguel genannt—oder Reichste wird Chef eines Dorfes (Lillo 17). Seine Macht ist sehr beschränkt, denn die eigentliche Regierung liegt in den Händen der gesammten Adeligen (Lillo 18). Diese werden „Bacnanes” genannt, ihnen gehört der ganze Boden und das Ackerland des Dorfstaates, in welchem gewöhnlich vier, sechs oder mehr solcher Magnatenfamilien leben. Die übrigen Dorfbewohner sind nichts anderes als Leibeigene des Adels, dessen Felder sie zu bestellen haben und denen sie sonst zu Diensten stehen; als Lohn erhalten sie dafür Speise und Trank (Lillo 18). In Lepanto werden sie Cailianes genannt (Lillo, l. c.), d. h. ebenso, wie die Plebejer in Ilócos. Die einzelnen Dorfstaaten waren beständig miteinander im Kriege begriffen.
Den ersten Versuch, die Igorroten der spanischen Krone und dem Katholizismus zu unterwerfen, unternahmen die Spanier 1660, er misslang so wie mehrere andere Expeditionen, bis es 1829 den Spaniern gelang, festen Fuss im Lande zu fassen, seitdem ist ein Igorroten-Territorium nach dem anderen durch Güte und Gewalt annectirt worden. Vom 4. bis 7. März 1880 fanden neue blutige Kämpfe mit noch unabhängigen Bergstämmen Statt, welche siegreich für die Spanier endeten.
Die unterworfenen Igorroten haben dieselbe Gemeindeverfassung und Autonomie erhalten, wie die übrigen Eingeborenen der Philippinen. Jede Ranchería (Dorf) wählt einen Gobernadorcillo oder Gemeindevorsteher, Wähler sind die vornehmsten Dorfbewohner, d. h. die Bacnanes (Lillo 34). Die Gemeindegebiete sind scharf abgegrenzt, um Zusammenstösse und Streitigkeiten bei den fehdelustigen Igorroten zu vermeiden. Sie haben ebenso die Servicios und Polos zu leisten wie die Tagalen, es ist jedoch bemerkenswerth, dass diese öffentlichen Arbeiten meist von Weibern verrichtet werden, welche ihre Männer vertreten. Nur in Bezug auf den Tribut (die Kopfsteuer) haben die Igorroten einen grossen Nachlass, sie zahlen gleichsam nur eine Taxe.
Die spanische Regierung hat auch unter ihnen Schulen gegründet, in denen die Kinder im Lesen und Schreiben der spanischen Sprache, im Rechnen und in der katholischen Religion unterrichtet werden. 1876 besass der District Lepanto 7 Schulen, welche von 562 Kindern regelmässig besucht wurden, von welchen 110 fertig spanisch lesen und schreiben konnten (Lillo 44). Einige erwachsene Igorroten von Lepanto verstehen im ilocanischen Dialekte zu schreiben, andere können wenigstens ihren Namen unterschreiben (Lillo, l. c.). Jedenfalls verdient der gute Wille der Colonialregierung alle Anerkennung.
8. Altasanen (Altasanes) und Ilamuts.
Wo diese beiden den Igorroten naheverwandten Stämme ihre Wohnsitze haben, war mir nicht möglich sicher zu ergründen. Nicht einmal der Name des ersteren Stammes ist sichergestellt, indem Mas (pobl. 14) und nach ihm Bastian (Reisen V, 272) Altabanes schreiben, während Buzeta y Bravo die Schreibweise Altasanes führt. Merkwürdigerweise scheint Dr. Bastian, durch diese verschiedene Schreibweise verleitet, Altasanes und Altabanes für zwei verschiedene Stämme zu halten (vgl. Bastian, Reisen V, 272 u. 274). Altasanen und Ilamuts verehren einen Gott Namens Cabiga und dessen Frau, welche bei Buzeta (Dicc. I, 60) Bujan, bei Mas (pobl. 14) Bujas heisst. Das ist Alles, was wir über diese beiden Stämme wissen. Ihre Wohnsitze sind jedenfalls in der Provinz Nueva Vizcaya zu suchen.