Die kleine Nation der Abacas lebt südlich vom Bergstock Caraballo Sur, in der Umgegend von Caranglan. Ihre Sprache scheint erloschen zu sein, wenigstens machen die spanischen Censuslisten hiervon keine Erwähnung, früher besassen sie aber ein eigenes Idiom, das sich selbst von dem der ihnen sonst in Sitten ähnlichen Italonen unterschied, wie diess Fr. Antolin de Alzaga, der unter ihnen 1702 als Missionär lebte, ausdrücklich hervorhebt (Mozo 20). Von den Italonen, mit denen sie in beständigem Kriege begriffen waren, unterschieden sie sich auch durch die Polygamie, die bei ihnen üblich war (Mozo, l. c.). Sie scheinen Kopfjäger gewesen zu sein, heute sind sie friedliche Christen.
13. Italonen (Italones).
Die Italonen wohnen nördlich vom Caraballo Sur im südlichen Theile der Provinz Nueva Vizcaya, wo auch ihre grösseren Orte Lublub, Bayombon, Dupax &c. liegen. Sie sind erst seit dem Anfange des vorigen Jahrhunderts allmählich zum Christenthum bekehrt worden, das aber nur oberflächlich an ihnen haftet. Im Jahre 1702 zählten sie 52 Dörfer, welche ein nettes Aussehen hatten, ihre Hütten waren von ansehnlicher Grösse. Obwohl sie eifrige Jäger waren und der Fischfang in ihren Bächen und Flüssen reichliche Beute lieferte, so bildete dennoch Reis ihre Hauptnahrung, sie bestellten die Äcker mit Sorgfalt und waren durch Aufspeichern von Reisvorräthen in der Lage, bei etwa eintretenden Missernten der Hungersnoth vorzubeugen (Mozo 19 u. 26). Ob sie andere Hausthiere als den Hund besassen, ist mir nicht bekannt, obwohl manches darauf schliessen lässt, dass der Büffel und das Schwein wenigstens in geringer Zahl gezüchtet oder eingehandelt wurden. Aus Zuckerrohr bereiteten sie ein berauschendes Getränk, Ilang genannt (Mozo 32). Ihre Waffen waren Lanze, Waldmesser und Schild. Ihre unbändige Kriegslust, die gegen ihre sonstige Liebenswürdigkeit (Mozo 19) eigenthümlich abstach, reizte sie zu beständigen Fehden mit den Nachbarstämmen, insbesondere den Abacas und den Balugas, wobei derjenige den grössten Ruhm davontrug, der die meisten Feindesschädel heimbrachte, denn sie waren Kopfjäger (Mozo 32, 35). Diese eigenthümlichen Trophäen wurden in der Hütte sorglich aufbewahrt, nur pflegten sie vorher den Schädel seiner Zähne zu berauben, um damit den Handgriff ihres Hackmessers auszuschmücken (Mozo 22). Ihre Kriegführung beruhte hauptsächlich auf List und Überrumpelung, der offene Kampf, Mann gegen Mann, wurde so sehr als möglich gescheut; am liebsten überfielen sie den Feind in der Nachtzeit (Mozo 34). Die erlittenen Wunden, sowie andere Krankheiten heilten sie durch verschiedene Kräuter, über welche Mozo (Misiones 56) eingehend berichtet. Sie sollen auch das Blut der erschlagenen Feinde getrunken und Theile von deren Hinterhaupte und Eingeweiden roh verzehrt haben, um den Muth des Erschlagenen zu erben (Mozo 32 f.; Mas, pobl. 22). Starb ein angesehener Häuptling, so hüllten sie ihre Waffen zum Zeichen der Trauer ein, und diese Ceremonie nannten sie Magbalata.
Wie bei den Igorroten war auch bei ihnen nur Monogamie üblich, die Ehen konnten nur durch den Tod eines der Gatten gelöst werden (Mozo 19). Kebsweiber neben der Gattin zu halten, war untersagt, auch durften Blutsverwandte keine Ehen untereinander eingehen (l. c.).
Über ihre frühere Religion stehen mir nur die dürftigen Notizen des Augustiners P. Arzaga zur Verfügung. Nach diesen glaubten sie an einen einzigen Gott, der die Guten belohne und die Bösen bestrafe, doch wussten sie nicht zu sagen, in was die Belohnung bezw. Strafe zu bestehen hätte. Dieser Gott hatte nach ihrer Ansicht im Himmel seinen Wohnsitz. Auffallend ist, dass dieser Gott unbeweibt lebt, während sonst alle Bergstämme von Nord-Luzon nur Götterpaare kennen. Sie glaubten auch an die Unsterblichkeit der Seele, was den Schluss zu ziehen gestattet, dass der Ahnencultus ihnen nicht unbekannt gewesen sein mag.
Von diesen erwähnten und dargestellten Bräuchen und Sitten hat sich wenig erhalten, das Christenthum hat ihrem ganzen Leben tagalisches Gepräge verliehen.
14. Ibilaos.
Die wilden Ibilaos wohnen in den Grenzdistrikten von Nueva Vizcaya und Nueva Écija, vom Caraballo Sur gegen Norden und Nordwest ihre Sitze ausdehnend. Bei den Orten Levang, S. Fabian und Tongbon treten sie in unmittelbare Berührung mit den civilisirten Indiern. Sie streichen bis zum Caraballo del Baler hinüber.