Sie sind von kleiner Statur und geringer Körperstärke (Buzeta I, 57). Sie scheinen keinen Ackerbau zu treiben, sondern nur von der Jagd und dem Raube sich zu nähren, was vielleicht auf eine starke Beimischung mit Negritoblut zurückzuführen ist. Buzeta und Bravo bezeichnen das Leben, welches sie führen, als ein nur elendes (Buzeta, l. c.).

Wie bei den meisten Bergstämmen Luzons herrscht auch bei ihnen die Sitte der Kopfjägerei (Buzeta I, 57; Mas, pobl. 28). Sie lauern im Hinterhalte auf den Nichts ahnenden Reisenden, den sie mit sicherer Hand mit ihren Pfeilen tödten (Mas, l. c.). Es erinnert diess auffallend an die Negritos. Ihre Pfeile sollen nach Bastian (Reisen V, 274) vergiftet sein, ich weiss nicht, welcher Quelle diese Notiz entnommen ist. Auch sie schmücken ihre Waffen mit den Zähnen der erschlagenen Feinde. Ihre Zahl ist sehr gering (Mas, pobl. 28); am 2. Mai 1851 zählte man in der Provinz Nueva Vizcaya 330 erwachsene unterworfene Ibilaos (Diaz Arenas 515).

Von ihrer Religion ist Nichts bekannt; nach Semper (Erdkunde XIII, 94) „sollen” sie am Caraballo Sur Tempel besitzen, was höchst unwahrscheinlich erscheint.

Einzelne Ibilao-Stämme leben mit den Spaniern in Frieden, besonders jene der Provinz Nueva Écija (Cavada II, 464).

15. Ilongoten (Ilongotes).

Die Ilongoten, auch Ilungut oder Ylungut genannt, wohnen in den Provinzen Nueva Vizcaya, Isabela und Príncipe, streifen aber auch nach Nueva Écija herüber. Die Cordillere zwischen Baler und Casiguran ist ihr Hauptsitz. Nach einer durch die Liebenswürdigkeit des Herrn Hofrathes Dr. A. B. Meyer mir zur Ansicht geliehenen Photographie sind ihre Augen langgeschlitzt und schief gestellt. Oberlippe und Kinn haben einen Bartanflug. Das Haar wird auch von den Männern lang getragen; es wird in einen Zopf geflochten, der oft bis zu den Hüften reicht. Ihre Kleidung besteht nur aus dem auch bei den Igorroten üblichen Lendengewand. Den linken Unterarm zieren eng aneinander (spiralförmig?) gefügte Ringe, offenbar aus Metalldraht. Semper (Skizzen 138) charakterisirt sie mit folgenden Worten: „Sie gehören mit zu den wildesten Stämmen des Landes, und sie stehen mit den Christen sowohl, wie mit den nahe wohnenden Negritos in beständiger Fehde”. Sie sind leidenschaftliche Kopfjäger (Mas, pobl. 28; Semper, Erdk. XIII, 251). Sie bekämpfen nicht nur die Negritos und fremden Stämme, ein Dorf gegen das andere steht feindlich auf, um die kostbare Schädelbeute zu erjagen. Auf eigenen Instrumenten werden die blutigen Trophäen heimgetragen und an der Thüre des Siegers aufgehängt. Ähnlich wie bei anderen Bergstämmen Luzons wird die Rückkehr einer siegreichen Kopfjägerbande mit grossen Festlichkeiten und Tänzen gefeiert. Semper (l. c.) nimmt die Ilongoten gegen den Vorwurf des Cannibalismus in Schutz.—Ihre Religion besteht in einem Ahnencultus (Semper, Erdk. X, 265). Über ihre Zahl ist mir nichts Näheres bekannt, am 2. Mai 1851 zählte man in Nueva Vizcaya 252 erwachsene und 255 noch im Kindesalter stehende friedliche Ilongoten. Die Ilongoten der Provinz Isabela leben im Augenblicke im Frieden mit den Spaniern, doch trauen ihnen diese nicht.

16. Mayoyaos (nebst Quianganen, Pungianen und Silipanen).

Die Mayoyaos oder Mayayaos sind die westlichen Nachbaren der Igorroten, durch die Cordillera Central von diesen getrennt. Sie wohnen in den Grenzdistrikten von Bontoc und Nueva Vizcaya, hauptsächlich aber in letzterer Provinz, wo die Pueblos Mayoyao, Ozcariz, Vilanova und Nueva Ocaña ihre Hauptniederlassungen sind. Zu ihnen sind zu zählen die Pungianen (Panguianen), Quianganen und Silipanen, alle in Nueva Vizcaya sesshaft[10]. Ich vermuthe überhaupt, dass die Mayoyaos mit den Ifugaos zusammen einen einzigen grossen Dialektstamm bilden, doch lässt sich bei den dürftigen Nachrichten über diesen Gegenstand Nichts auch nur mit einiger Sicherheit behaupten. Eine Beschreibung vom Jahre 1850 sagt folgendes (Dias Arenas 506): „Einige tragen ein breitmächtiges Bracelet am linken Arm, bei anderen sahen wir Armbänder, bestehend aus dickem Kupferdrahte, welcher das Handgelenk in vielen (spiralförmigen) Windungen umschlang. Etwelche trugen Ohrgehänge, aus bis zu zwei Finger dicken Perlmuscheln zusammengesetzt, welche bis auf die Schultern herabfielen. Bei einem von ihnen sahen wir ein Halsband, welches aus einem durchlöcherten kreisrunden Stückchen Bein und weissen Steinchen, die vermittelst einer Schnur zu einer Kette verbunden waren, sich zusammensetzte; diese zierlich auslaufende Kette war drei Mal um den Hals geschlungen. Bartlos waren nicht alle, die uns zu Gesichte kamen, einige wiesen Kinn- und Schnurrbart auf, wenngleich der Haarwuchs kein dichter war”. Die Kleidung der wilden Mayoyaos und auch die der Mehrzahl der unterworfenen besteht nur aus einem Lendenschurz. Ihre Zahl muss eine recht stattliche sein, obwohl sie erst 1849 durch die Missionen der Dominicaner friedlich den Spaniern unterworfen worden sind, so zählte man dennoch 1851 4416 Mayoyaos, 1251 Silipanen, 6076 Quianganen und 2400 Pungianen, wobei zu bemerken ist, dass bei den Silipanen nur die Erwachsenen gezählt wurden (Dias Arenas 515).