32. Catabanganen (Catabanganes).
Die Catubanganen sind ein wilder Bergstamm in den Gebirgswildnissen von Guinayangan in der Provinz Tayabas. Sie werden, so viel mir bekannt ist, nur von Cavada I, 198, erwähnt, welcher von ihnen nichts Anderes berichtet, als dass ihre Sitten jenen der Negritos (welche ebenfalls in jenen Bergen hausen) gleichen, und dass sie die christlichen Ortschaften beständig überfallen, um Vieh und Getreide zu rauben. Die dürftige Notiz ist Alles, und es lässt sich unmöglich darnach entscheiden, ob wir hier die Trümmer eines grösseren selbständigen Stammes oder verwilderte Abkömmlinge von Remontados mit Negritoblut gemengt vor uns haben. Vielleicht dürfte das letztere das Wahrscheinlichere sein.
33. Vicols[21].
Die Vicols bewohnen den südlichsten Theil Luzons, im Norden beginnt die Sprachgrenze an der Ostküste bei Paracáli und Mambuláo in der Provinz Camarínes Norte, an der Westküste aber schon bei den östlichen Gestaden der Provinz Tayabas, so dass die Vicols in Camarínes Norte die Hauptmasse, in Tayabas aber nur einen Bruchtheil der Bevölkerung ausmachen. Camarínes Sur, Albay, ferner die Inseln Masbate, Ticáo, Burías und die Inselgruppe der Catanduanes werden von ihnen ausschliesslich bewohnt.
Die Vicols gehören wie die Tagalen, Pampangos &c. zu jenen Malaienstämmen Luzons, welche schon in den Tagen der Conquista eine gewisse Civilisation aufzuweisen hatten, sie sind auch die ersten Bewohner Luzons, welche (in Albay zunächst) sich, und zwar im Jahre 1569, den Spaniern unterwarfen. Von den wenigen „wilden” Stämmen, welche in den Bergen von Camarínes hausen, will ich am Schlusse dieses Artikels Näheres mittheilen und mich vorerst mit den civilisirten christlichen Vicol-Malaien beschäftigen.
Obwohl von kräftigem Körperbau (Buzeta I, 281), stehen sie dennoch physisch wie geistig den Tagalen nach (Jagor, Reisen 120). Sie besitzen nicht den stolzen kriegerischen Geist der Bewohner Nord-Luzons, sie sind vielmehr friedfertig und demüthig (Cavada I, 213 u. 221). Obwohl im Allgemeinen arbeitsam, so besitzen sie dennoch nicht jene ausgebreitete Hausindustrie, welche wir bei den Tagalen vorgefunden haben. Insbesondere unterscheiden sie sich von letzteren durch ihre grosse Unreinlichkeit, die vorzüglich im Süden in die Augen fällt, zumal, wenn in den betreffenden Orten kein weisser Pfarrer stationirt ist (Jagor, Reisen 105). Hautkrankheiten und Krätze sind deshalb sehr verbreitet (Jagor, Reisen 130). Dr. Jagor schreibt (Reisen 145): „Ich glaube kaum, hier (Mambulao) eine Indierin ohne Krätzflecke gesehen zu haben”.
Ihre Hütten weichen in ihrer Bauart nicht von denen der Tagalen ab, doch wird gewöhnlich das leichteste Rohrmaterial zum Bau vorgezogen, was in der Häufigkeit und Intensität, mit der hier die Erdbeben auftreten, seine Erklärung findet. Der Bau eines Hauses in Camarínes incl. Material kostet nicht mehr als vier bis fünf Dollar (Jagor, Reisen 125). Die Möbel beschränken sich wie bei den anderen Malaien meist nur auf Matten. Das Innere der Häuser wird bei den Vicols bei Armen durch Harzfackeln erleuchtet, während Reichere zu diesem Zwecke sich jener Lampen bedienen, welche auch den Tagalen bekannt sind und aus einer grossen Schnecke mit eingelegtem Binsendochte bestehen (Jagor, Reisen 127).
Als der holländische Corsar Noort 1600 vor Camarínes anlangte, fand er die meisten der Bewohner fast nackt vor und die „Vornehmsten, welche von den ehemaligen Landesfürsten herstammeten, hatten sich allerlei künstliche Figuren in die Haut geritzet” (Allgem. Historie der Reisen XI, 369). Auch die Bewohner der Catanduanes bemalten sich, trugen jedoch ein ärmelloses Gewand (l. c. 398). Die heutige Tracht der Vicol-Malaien ist decenter, die Tracht der Männer gleicht so ziemlich jener der Tagalen, wohingegen die Frauen sich ganz anders als die Tagalinnen kleiden. Vor Allem fehlt hier der Tapis und die Saya (Buzeta I, 281), an Stelle derselben tritt der Patadíon, ein Frauenrock, der von der Hüfte bis zu den Knöcheln reicht, dann ein kurzes Hemd aus Guinara-Stoff (Zeug aus Abacáfasern) und ein Umhängtuch; im Haare wird ein Kamm getragen (Jagor, Reisen 127). Statt des einfachen Waldmessers der übrigen Malaien Luzons tragen die Vicols den geflammten Kris der mohammedanischen Malaien der Sunda (Scheidnagel 123).
Die Vicols bauen dieselben Getreidearten[22] und Culturpflanzen wie die Tagalen, die grösste Sorgfalt wird aber dem Abacá- oder Manila-Hanf zugewendet, denn in Camarínes und Albay gedeiht diese für den Exporthandel der Philippinen so ungemein wichtige Pflanze am besten. Herr von Scherzer (Novara-Reise I, 598) schreibt darüber wie folgt: Um den Abacá-Hanf zu gewinnen, wird der Stamm, sobald die Fruchtkolben, zum Vorschein kommen, von den mächtigen Blättern gereinigt und bleibt etwa 3 Tage hindurch der Gährung ausgesetzt. Hierauf wird derselbe in Stücke abgeschält, und diese werden unter Anwendung eines entsprechenden Druckes zwischen zwei Eisen durchgezogen, um den durch die Gährung mürbe gewordenen Bast von den zum Vorschein kommenden Hanffasern zu entfernen. Dieses Verfahren wird so lange fortgesetzt, bis letztere rein genug erscheinen, um an der Sonne getrocknet zu werden.