Aus den Fächerpalmen wird in der Weise Zucker gewonnen, dass das obere Ende des Stammes quer abgeschnitten wird, und zwar mit etwas geneigter Schnittfläche. Aus der Wunde quillt der zuckerhaltige Saft (täglich 10 Quart), aus welchem der Zucker durch Einkochen gewonnen wird; eine Palme liefert einen Reingewinn von 5 Mark, der Baum geht aber auch ein (Jagor, Reisen 155 f.).
Auch Cacao wird vielfach gepflanzt, wenn auch nicht sorglich gepflegt. Die Vicols geniessen die Chocolade, indem sie ihr geröstete Pilikerne zusetzen (Jagor, Reisen 79). Da ein grosser Theil des besiedelten Landes von Sumpfstrecken durchsetzt ist, und überdiess in der Regenzeit selbst die Strassen versumpfen, so sind die Vicols auf die Construction eines Transportmittels verfallen, welches ihnen die Fortschaffung von Lasten selbst im Sumpfgebiete gestattet. Es ist diess die Pavavá (man vgl. die Abbildung in Jagor, Reisen 118), welche aus zwei parallelen Stangen besteht, die an ihren Obertheilen einen gedeckten Kasten tragen. Die unteren Enden der beiden Stangen schleifen auf der Erde, die oberen ruhen hüftehoch über der Erde auf der Gabeldeichsel, deren untere Enden sich ebenfalls nach hinten verlängern, so dass, wenn der Büffel diese schlittenartige Pavavá durch tiefen Sumpfbrei schleift, die zwei unteren Enden jener Parallelstangen und die zwei hinteren Enden der Doppel-Deichsel die Last tragen. — Die Vicols besitzen zwar einen reichen Viehstand, kümmern sich aber nicht einmal um die Fütterung ihrer Thiere (Jagor, Reisen 123). Fischfang wird auch hier fleissig betrieben, sie benutzen hierzu die faustgrossen Früchte einer Barringtonie, indem sie wegen ihres geringen specifischen Gewichtes statt des Korkes bei den Netzen verwendet wird oder indem man ihre betäubende Eigenschaft durch Ausstreuen pulverisirter Früchte benutzt (Jagor, Reisen 152).
In ihren Sitten und Bräuchen fällt zunächst der Umstand auf, dass sie nicht so leidenschaftliche Raucher sind, wie die übrigen Luzonier, sie geniessen lieber den Tabak in der Weise, dass sie die Cigarren mit dem Buyo zusammen kauen (Jagor, Reisen 127), obwohl ausserdem noch genug geraucht wird. Über ihre Bräuche bei Geburten &c., ihren Aberglauben ist mir Nichts bekannt. Dr. Jagor (Reisen 130) erwähnt, dass die ersten Excremente eines neugeborenen Kindes unter dem Namen Triaca — aus Theriacum — als Universalmittel gegen Schlangen- und Hundebiss angesehen werden. Von ihren Gespenstern sei der Calapitnan, der Herr der Fledermäuse, erwähnt, der in der prachtvollen Tropfsteinhöhle bei Libmanan (Camarínes Norte) seinen Sitz aufgeschlagen hat (Jagor, Reisen 138). Obwohl seit drei Jahrhunderten Christen, sind sie nicht nur sehr abergläubisch, sondern auch lau in der Beobachtung der kirchlichen Vorschriften (Cavada a. v. St.).
Ihre nicht grosse Industrie befasst sich meist nur mit feinen Webwaaren und Stickereien (Scheidnagel 24), die Sinamay- und Nipis-Zeuge von Camarínes rangiren an Güte unmittelbar nach denen von Ilócos Diaz (Arenas 291).
Vicol-Heiden. Ausser den christlichen und civilisirten Vicols wohnen in den Provinzen Camarínes Norte y Sur und Albay auch noch hie und da in den Gebirgswildnissen zerstreut Horden von heidnischen halb- oder ganz-„wilden” Vicol-Malaien, welche von den Spaniern fälschlich Igorroten (neben „Cimarrones”) genannt werden. Sie sind allem Anscheine nach Abkömmlinge jener Malaien, welche in den Zeiten der Conquista vor dem spanischen Joche in die ungangbaren Bergwälder flohen und dann auch späterhin durch dem Steuerdruck sich entziehende Vicols, also durch „Remontados” frischen Nachschub erhielten. Waren doch die faulen Vicols stets geneigt, den lästigen Frohnden und der strengen Kirchendisciplin sich durch die Flucht in die Gebirgswälder zu entziehen, wir wissen ja, dass in der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts das Innere der Insel Masbate eine dichte Bevölkerung von solchen Flüchtlingen, die selbst von Luzon aus dort ihr Asyl gesucht hatten, besass (Fray Juan de la Concepcion VIII, 142). Selbst heute noch kommt dieses „remontarse” (sich in die Berge flüchten) häufig vor, die kleinen unbewohnten Inseln an der Küste von Camarínes Norte beherbergen oft zahlreiche solche Flüchtlinge—„los marítimos” genannt (Cavada II, 447)—, bis der Hunger oder der Arm der Behörde sie wieder zur Rückkehr in die Heimath zwingt. In den ersten Jahrhunderten der spanischen Herrschaft, beständig wie ein Wild gehetzt, sanken sie zu nomadisirenden Horden herab, die keine feste Niederlassung besassen, und in dieser Periode ihrer Entwickelung scheinen sie mit den ein ähnliches Leben führenden Negritos engere Beziehungen angeknüpft zu haben, wenigstens weist Jagor (Reisen 106) bei den Heiden von Isaróg nach, dass sie Mischlinge von Vicol-Malaien und Negritos wären.
Solche Vicol-Heiden leben um die Vulcane Isaróg, Iriga, um Buhi, um den Vulcan Mazaraga, in der Cordillere von Caramuan, in der Nähe der Orte Libog und Tabaco. Aus dem Jahre 1848 liegt uns bei Diaz Arenas sogar eine Schätzung der Zahl dieser Heiden, und zwar jener der Provinz Camarínes Norte vor; darnach gab es dort in jenem Jahre: 3703 die Oberhoheit der spanischen Krone anerkennende „Infieles”, 8000 Cimarrones del Isaróg, 500 Cimarrones del Iriga, 300 Cimarrones de Buhi und 4000 Cimarrones der Cordillere von Caramuan. Die Zahlenangabe bezüglich der Heiden vom Isaróg ist offenbar ein Druckfehler, die Zahl scheint mir zu hochgegriffen zu sein. Ich will nun die einzelnen Horden näher in Betrachtung ziehen.
Da mir über die Heiden der Cordillere von Caramuan nichts Näheres bekannt ist, so gehe ich sofort zu den Heiden vom Isaróg über. Diese wohnen bei dem genannten Vulcane in der Nähe der Pueblos Goa, Pili, Lagonoy, Bula, Quipayo &c. Sie sind zahlreich, in den drei Rancherías von Mahaluas (Magarao?), Siano und Paltoc sollen allein 2000(?) leben (Cavada I, 213). Nach Jagor (Reisen 163 u. 168) ist ihre Zahl durch Kämpfe mit den spanischen Finanzwachsoldaten und durch Fehden untereinander im Abnehmen begriffen. Jetzt haben die Kämpfe mit den Spaniern aufgehört, indem diese den Heiden den Ertrag ihrer Tabakfelder abkaufen (l. c. 164), und andererseits durch die liebenswürdige und hochherzige Verwendung des Dr. F. Jagor ihnen von der spanischen Regierung eine Anzahl von Begünstigungen zu Theil wurden. Jagor (l. c. 162) erwähnt von ihnen: „Sie sind es, die nach dem Urtheil des Pfarrers von Camarínes die Vicol-Sprache am reinsten sprechen. Ihre Sitten und Gebräuche sind in vielen Punkten denen, welche die Spanier bei ihrer Ankunft vorfanden, sehr ähnlich, andererseits erinnern sie vielfach an diejenigen, welche noch heute bei den Dayaks herrschen”. An letztere erinnert auch die freilich im Erlöschen begriffene Sitte, den, wenn auch natürlichen Tod eines Verwandten, durch die Ermordung des ersten besten Fremden zu rächen (l. c. 171), da aber dem Ermordeten der Kopf nicht abgeschlagen wird, so ist diess eher auf ein Herübernehmen des ähnlichen Negritobrauches zurückzuführen, denn die Heiden vom Iriga beweisen durch eine leichte Kräuselung ihres Haares (l. c. 170), dass auch Negritoblut in ihren Adern rollt. Einen Schädel, der von einem erschlagenen Heiden vom Isaróg herrührte, erklärte Prof. Virchow in gewissen Beziehungen ähnlich mit den Malaien-Schädeln von den Sunda-Inseln, noch mehr aber mit Dayak-Schädeln (Jagor 169 u. 92). Die in der Nähe von Quipayo hausenden Isaróg-Heiden haben keine festen Niederlassungen, sondern schweifen wie die Negritos unablässig herum (Cavada I, 213), die anderen aber besitzen Hütten, welche hie und da vereinzelt im Walde stehen (Cavada I, 213 u. 221), nur diejenigen, welche der spanischen Regierung unterthan geworden, wurden gezwungen, in kleinen Weilern, deren Hütten aber auch weit auseinanderliegen, zu wohnen (Jagor, Reisen 163). Den Zugang zu ihren Hütten schützen sie durch Fussangeln oder Fusslanzen, welche mit Blättern und Reisig geschickt verdeckt sind (l. c. 166). In der Gestalt und Bauart unterscheiden sich ihre Hütten in Nichts von denen armer Vicol-Christen (l. c. 167). Sie bauen Bataten, Caladium, Mais, Zuckerrohr, Tabak (Jagor, Reisen 167; Cavada I, 213), und jene, welche in den oben erwähnten Rancherías Mahaluas, Siano und Paltoc leben, selbst Cacao, Abacá, Camote (Cavada, l. c.). Hausthiere sind Hunde, Katzen und Hühner (Jagor I, 168). Bei jenen Isaróg-Heiden, welche Dr. Jagor kennen lernte, waren die Weiber decent, wie christliche Indierinnen gekleidet (Jagor, Reisen 167), wogegen in jenen drei Rancherías die Weiber ebenso wie die Männer nur einen Lendenschurz tragen (Cavada I, 213). Ihre Waffen sind Pfeile, Lanzen, runde hölzerne Schilde am Rande mit Rotang beflochten und das Campilan-Waldmesser (Jagor, Reisen 169; Cavada, l. c.). Die Pfeile sind vergiftet (Cavada, l. c.). Während einige Horden die Christen durch Räuberüberfälle belästigen (Cavada I, 212), ist die Mehrzahl der Isaróg-Heiden mit denselben in freundlichem Verkehr, denen sie ihre Bodenproducte, ferner Honig, Wachs und Harze verkaufen (Jagor, Reisen 168; Cavada I, 213). Sie leben gewöhnlich nur mit einer Frau, obwohl Polygamie gestattet ist; die Frau wird um den Durchschnittspreis von 10 Waldmessern und 10 bis 12 Dollars baar gekauft (Jagor, Reisen 171). Der Vater der Braut veranstaltet einen Schmaus, bei dem grosse Mengen Palmwein vertilgt werden (Jagor, Reisen 172). Ihre musikalischen Instrumente sind Laute, Guitarre nach spanischem Muster und Maultrommeln aus Bambusrohr (Jagor, Reisen 167).
Die Heiden vom Iriga sind dunkelbraune Mischlinge von Negritos und Indiern, obwohl nur einige krauses Haar besitzen (Jagor, Reisen 106). Ihre Hütten sind bequem gebaut (Jagor, l. c.) und mit einem Hausgeräthe versehen, welches aus Cocosnussschalen, Bambusgeräthe, irdenen Töpfen und Waffen besteht (Jagor, l. c. 107). Die Tracht der Männer beschränkt sich nur auf ein Schamband, während die Weiber einen Schurz tragen, der den Unterleib und die Oberschenkel, von der Hüfte bis zu den Knieen, deckt (Jagor, l. c.). Sie bauen einige Knollengewächse und etwas Zuckerrohr an (Jagor 106). Zur Jagd auf die Wildschweine dienen vergiftete Pfeile (Jagor 107), deren Gift aus zwei unbekannten Baumrinden bereitet wird. Das fertige Gift hat die Consistenz einer zähen Salbe. Für einen Pfeil braucht man nur ein haselnussgrosses Stück, worauf der vergiftete Pfeil mit seiner Wirkung für viele Schüsse ausreicht (Jagor 112). Mit den Christen unterhalten sie Handel und Verkehr.
Die Heiden, welche beim Vulcane Mazaraga in einigen verstreuten Hütten wohnen, sind freundliche Leute (Jagor, Reisen 178). Dasselbe gilt für jene Horden, welche bei Libol und Tabaco in der Provinz Albay wohnen, sie stehen mit den Christen in Verbindung, ja einige lassen sogar ihre Kinder taufen (Cavada I, 221). Nach der Nummer 877 des „Comercio” (Manila, den 16. Aug. 1881) sind in jüngster Zeit in der „La Rinconada” (Provinz Camarínes Sur) neue Pueblos solcher „monteses” von der Colonial-Regierung gegründet worden. Die Ausbreitung der spanischen Herrschaft unter diesen Heiden scheint also Fortschritte zu machen.