Was ihr Äusseres anbelangt, so sind sie von mittlerer Körpergrösse mit normalem Brustkorbe und schlanker Taille; der Kopf ist rund und klein, die Augen sind von dunkler Farbe und horizontal und weit gespalten, die Lippen sind schmal, die Nase ist stumpf geformt, die Hautfarbe ist gelblichfahl; die Kopfhaare—welche von den Männern meist rasirt werden—weisen eine tiefschwarze Farbe auf und sind rauh anzufühlen, die Augenbrauen sind spärlich, dasselbe gilt vom Barte, der oft gänzlich fehlt; bemerkenswerth ist noch die Sitte, die Zähne schwarz zu färben, auch fällt auf, dass die Beine meist säbelförmig auswärts gebogen sind (Garín 126).
Alle diese mohammedanischen Piratenstämme, diese „Moros” der Spanier, haben ausser der Religion ein gemeinsames charakteristisches Merkmal, das sie scharf von den übrigen Malaienstämmen der Philippinen scheidet, und das ist die Feudalverfassung. Nur an der Bai von Manila fanden die Spanier Legazpi’s ähnliche Verhältnisse, doch hier war eben bereits fremder, speciell borneanischer Einfluss im Spiele.
Was zunächst die Feudalverfassung anbelangt, so zerfallen alle die ehemaligen und zum Theile noch existirenden Sultanate von Sulu, Mindanao, Buhayen, Butig, Sibugney &c. in eine grosse Anzahl von kleinen Lehensfürstenthümern, deren Chefs den uns schon bekannten Namen Datto führen. Selten herrscht ein Datto über mehr als ein Dorf, und beständig fanden neue Gründungen von solchen Datto-Herrschaften Statt und zwar in der Weise, dass ein Datto- oder Sultans-Sohn mit einigen Sclaven auf einen Piratenzug auslief und mit den geraubten Sclaven eine neue Niederlassung in einer noch unbewohnten Gegend oder Insel gründete, welche durch neue Sclavenjagden immer neuen Zuwachs erhielt. Die Dattos sind die eigentlichen Herren gewesen, neben denen der Sultan nur die Rolle des primus inter pares spielte, ohne deren Einwilligung er auch nicht den geringsten politischen Act vornehmen durfte. Combés, Dampier, Forrest, Sprengel, Deguignes, Renouard de St.-Croix, Koner, Barrantes und Pazos haben darüber manches interessante Detail veröffentlicht, von welchem ich hier das Interessanteste und Wichtigste hervorheben will, wobei ich mich nur auf die Verhältnisse im Sultanate Sulu und dem von Mindanao (jetzt der spanische District Cotta-bató) beschränke.
In beiden Ländern war das Sultanat erblich, doch gab es keine geregelte Thronfolge, sondern der Sultan besass das Recht, sich seinen Nachfolger aus seinen nächsten Nachkommen und Verwandten zu erwählen, doch übten die Dattos dabei ein Anerkennungsrecht aus. In Mindanao giebt es folgende Adelsstufen: Tuam, so viel wie Herr, Junker; Orancaya so viel wie Magnat und Cachil gleich Prinz von königlichem Geblüte. Auf Sulu ist diese Hierarchie eine viel verwickeltere, der Sultan geniesst mehrere Titulaturen und zwar immer Maulana, so viel als Majestät; ist er der Enkel eines Sultans, so führt er noch den Titel Paduca, ist er der Sohn eines solchen, so fügt er noch den Titel Majarasin, d. h. der Reine und Erhabene, hinzu. Der Thronfolger in Sulu heisst Rajá-Muda. Einzelne Dattos bilden eine Art Ministercollegium: der Grossvezier (Datto Interino der Spanier), der Generalissimus der Landtruppen und Kriegsminister (Datto Realao), der Oberstlandrichter (Datto Mitsainguir). Wird ein grosser Kriegszug unternommen, so tritt an die Spitze der Streitkräfte der Pauliman, Orancaya oder Salicaya, je nachdem zu Lande oder zu Wasser, oder zu Wasser und zu Lande der Krieg geführt werden soll. Jeder Datto hat einen Grossvezier, der Monabe genannt wird.
Der Sultan versammelt in allen wichtigen Angelegenheiten die Dattos um sich, um ihre Einwilligung einzuholen. Auf allen Vertragsurkunden müssen die Unterschriften der Dattos neben die des Sultans gesetzt werden, sonst wäre der Vertrag ungültig.
Da die Macht und das Ansehen der Dattos vornämlich nur auf der Zahl der Sclaven beruhte, so suchten sich die Mindanaos und Sulus durch grossartige Piratenzüge, welche mitunter sich bis nach Banka und Billiton erstreckten, vorzugsweise aber gegen Celebes und die Philippinen gerichtet waren, solche zu verschaffen. Schon vor Ankunft der Spanier stand die Piraterie in schönster Blüthe (Mas I, 28). Geführt von Renegaten überfielen sie mit ihren leichten und seichtgehenden Schiffen die Küstenniederlassungen, verbrannten die Dörfer, vernichteten das auf den Feldern stehende Getreide, hieben die Fruchtbäume um und schleppten die Dorfbewohner in die Sclaverei, lange bevor die tiefgehenden spanischen Kriegsschiffe zur Rettung anlangen konnten. Von je drei Gefangenen erhielt der Datto, der die Expedition ausrüstete, zwei, einer gebührte der Mannschaft. Man kann sich einen Begriff von der Ausdehnung dieser Piratenzüge machen, wenn man erfährt, dass diese Piraten in 30 Jahren 20 000 Gefangene in den Philippinen allein gemacht hatten (Jagor, Reisen 180). Selbst die Einführung von seichtgehenden Dampfkanonenbooten befreite die Philippinen nicht von dieser Plage. „Die leichten, flachen, sehr stark mit Ruderern bemannten Boote (der Piraten) sind so geschwind, dass nur die schnellsten Dampfer ihnen folgen können, diese verrathen sich aber schon aus grosser Ferne an ihrer Rauchsäule, so dass die nur wenige Fuss über das Wasser ragenden und folglich in sehr geringer Ferne unsichtbaren Pancos gewöhnlich vollauf Zeit haben, zu entwischen” (Jagor, Reiseskizzen 86). Auch die wiederholten Expeditionen, mit welchen früher die Spanier diese Piratennester durch Niederbrennen zu vernichten suchten, halfen Nichts, es bemerkte hierüber schon in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein spanischer Stabsofficier im Kriegsrathe zu Manila: „Sie (die Piraten) verändern die Lage einer Stadt mit derselbigen Leichtigkeit, wie wir den Ankerplatz eines Schiffes, und es liegt ihnen wenig daran, sie zehn Leguas weiter oben oder weiter unten neu zu begründen, denn überall finden sie Berglehnen zum Feldbau, gutes Schiffsbauholz, Nipa-Palmen zum Dachdecken und Mangel-Sümpfe, um sich bei drohender Gefahr zu verbergen” (Fr. Juan XIII, 378). Man vergleiche übrigens über die Schwierigkeit, sie in ihrem eigenen Lande zu bekämpfen, die gute Bemerkung in Pazos, Joló, p. 378. Erst durch die Eroberung Sulu’s und die kostspielige Occupation des Mündungsgebietes des Rio Grande de Mindanao ist die Piraterie einigermaassen, aber nicht gänzlich unterdrückt worden.
Der Islam ist zwar die herrschende Religion, an der seine Bekenner mit fanatischem Eifer hängen, aber die Vorschriften des Korans werden nur oberflächlich erfüllt, der Genuss des Schweinefleisches und spirituöser Getränke ist allgemein. Auf Sulu heisst die höchste geistliche Autorität Sarif (Scherif), dann folgt der Jabdi und endlich die Panditás. Die Polygamie gestattet natürlich der Islam, gewöhnlich aber begnügt sich auch der Vornehme mit einem Weibe, Koner will hierin den Einfluss der gefangenen Christinnen bemerken. Bei diesen Piratenstämmen ist der Knechtsdienst, den der Bräutigam seinem Schwiegervater in spe bei den Tagalen und Visayern zu leisten hat, nicht gebräuchlich. Der Bräutigam kauft die Frau von ihrem Vater für Schiffe, Kanonen, Feuerwaffen, Munition &c.; ist der Schwiegervater ein nobler Mann, so giebt er seiner Tochter eine aus ähnlichen Dingen bestehende Mitgift. Am Vorabende der Hochzeit führt der Pandit die Brautleute jedes in ein besonderes Häuschen, wo sie sich beide festlich schmücken. Am anderen Tage geleitet der Pandit unter Trommelwirbel den Bräutigam in das Häuschen seiner Braut, welche unter Zeugen, besonders Flaggen, verborgen liegt. Der Pandit wiederholt drei Mal die Frage, ob der Bräutigam jenes Weib zu ehelichen wünsche, welches unter dieser Hülle sich befände. Kaum hat der Bräutigam diess bejaht, so springt die Braut aus ihrem Verstecke hervor und läuft davon, verfolgt von dem Bräutigam und den Gästen. Hat der Bräutigam oder vielmehr Gatte sein Weibchen eingeholt, so zieht er sich auf ein einsames Plätzchen zurück, um sofort das matrimonium zu einem consumatum zu machen. Diese Ceremonie ist nur beim Einholen der legitimen Frau—„Dayana” genannt—üblich. Die Sittenlosigkeit ist bei der affenartigen Geilheit dieser Piraten zügellos, und die Zustände, wie sie Dampier in Mindanao fand, sind auch bis heute sich gleichgeblieben. Das Abtreiben der Leibesfrucht findet sehr häufig Statt (Garín 176).
Bei schweren Erkrankungen[32] suchen die Panditen durch Recitiren von Koransuren und Gebeten den Patienten zu heilen. Stirbt ein Vornehmer, so werden Kanonenschüsse abgefeuert und vor dem Hause desselben Trommeln geschlagen und mit verschiedenen Musikinstrumenten ein höllisches Concert angestimmt. Der Todte wird, nachdem der Priester ihn gewaschen, in ein weisses Kleid gehüllt und angethan mit seinem Kris in einer Kiste unter grossem Spectakel begraben. Die Hinterbliebenen tragen zum Zeichen der Trauer einen weissen Turban und verbringen acht Tage mit Wehklagen auf dem Grabe des Dahingeschiedenen. Die Panditen beten noch länger, bis zu 40 Tagen, und werden dann von den Hinterbliebenen reichlich beschenkt.
Der Ackerbau obliegt den Sclaven (Sácopes) und umfasst Reis, Mais, Camote und verschiedene Gemüse, auch Cacao wird gepflanzt, Cocoswälder bilden aber den Hauptreichthum. Der Viehstand weist Pferde, Rinder, Büffel, Ziegen, Hühner und Tauben auf.
Die Bauart der Hütten unterscheidet sich nicht von der der Tagalen und Visayer, nur werden dieselben mit Vorliebe direct über dem Wasser erbaut. Bambusstege führen von einem Hause zum andern, so dass durch Wegziehen derselben jedes Haus isolirt im Wasser dasteht. Am Lande pflegen sie feste Forts aus Palissadenzäunen, welche durch Korallenblöcke vor Kanonenkugeln gesichert sind, zu errichten.