Die Tracht besteht aus Jacke, weiten Hosen, einem Turban oder einer fezähnlichen, aber aus leichterem Stoffe verfertigten Mütze. Auch die Weiber tragen, wenigstens auf Sulu, Hosen (Garín 124), auf Mindanao aber auch Röcke. Die Dattos führen schön bemalte Schilde mit sich, als Waffen dienen Feuergewehr, Bogen und Pfeil, Lanze, Kris und ein gegen das Ende zu breiter werdendes krummes Schwert. Seltener sind Panzer aus eisernen Maschenhemden, oder aus zusammengefügten Muschelschalen oder Büffelhaut verfertigt, manche schützen den Körper durch den Cambut, einen dicken Gürtel aus grober Baumwolle, der mehrmals um den Leib herumgeschlungen wird. Die meisten begnügen sich mit dem Schutze, den ihnen ihre Schilde gewähren, welche aus hartem Holz, das mitunter noch mit Büffelleder überzogen ist, in zweierlei Grössen verfertigt werden; die runden Schilde decken nur den halben, die eckigen den ganzen Körper, letztere werden auch an den Bordwänden der Schiffe aufgerichtet, um als Brustwehr zu dienen. Die Landbefestigungen und Schiffe sind mit zahlreichem (meist geraubtem) Geschütz des verschiedenartigsten Calibers versehen, doch wissen die Piraten sie nicht gut zu bedienen.
Ohne Compass schwärmen sie mit ihren leichten Schiffen bis nach Singapore hin. Ihre Fahrzeuge zeichnen sich alle durch besondere Schnelligkeit und geringen Tiefgang aus, einen Kiel besitzen nur die Panco, Guban und Garay genannten Schiffsgattungen. Der Panco hat die Form und den Tonnengehalt einer flachen Küstenbrigantine und hat, wie alle Schiffe dieser Piratenstämme, keinen einzigen Nagel oder Eisenbestandtheil aufzuweisen. Die übrigen Boote, Salisipans, Barotos, Lancans, Vintas, Dalamas, sind nur aus einem ausgehöhlten Baumstamm verfertigt und mit Ausliegern—„Batangas”—versehen. Alle Schiffe sind auf Fortbewegung durch Ruder eingerichtet, letztere—Gayong genannt—haben die Form der Ruder europäischer Galeeren. Das Steuerruder ist bei den grösseren Schiffen mitunter in derselben Weise und Form angebracht, als diess bei europäischen Schiffen der Fall ist, meistentheils sind es aber blos zwei oder ein Schaufelruder am Buge. Die Mastbäume sind dreigetheilt in eine Spitze zusammenlaufend, ähnlich den drei Stützen der Malerstaffelei. Die Segel sind stets viereckig und das Segelzeug bunt gefärbt.
Pazos (Joló 7) schliesst seine Beschreibung ihrer Schiffe mit folgenden Worten: „Der leichte Bau ihrer Fahrzeuge ermöglicht bei ihrem geringen Gewichte und seichtem Tiefgang eine schnelle Fahrt; wenn sich die Piraten verfolgt sehen, so segeln sie kaltblütig, weil für sie ohne Gefahr, durch die gefährlichsten Klippenreihen durch, wohin ihnen auch die kleinsten Kanonenboote nicht folgen können, und falls einmal (innerhalb der Klippen oder am Strande) die Seichtigkeit des Wassers die Weiterfahrt unmöglich macht, dann wirft sich die Mannschaft einfach in’s Wasser und schleift das Boot in’s tiefere Wasser oder trägt es selbst auf seinen Schultern dahin, worauf die Bemannung wieder an Bord steigt und ruhig seine Fahrt fortsetzt, auf diese Weise nur zu oft die Verfolgung, welche unsere Kreuzer anstellen, illusorisch machend”.
Sie sind leidenschaftliche Tabakraucher und Betelkäuer, aber diese Reizmittel genügen ihnen nicht, sie rauchen auch Opium aus langen Rohrpfeifen (Garín 127; Pazos 205). Unter den Betel wird gewöhnlich Opium, ja auch Theriak gemengt (Garín I, 27). Musik und Tanz wird gepflegt, letzterer wird gewöhnlich nur von Mädchen[33], Sclavinnen, zumeist zur Ergötzung der Dattos aufgeführt. Ihnen eigenthümliche Instrumente sind der Agun oder Agon und Culintangang (Ilustr. del Oriente 1877, n. 10, p. 4), der Agun ist nichts Anderes als eine metallene, auf einer Seite offene Kugel, während der Culintangang aus mehreren geschlossenen Metalldecken besteht, welche mit zwei Holzklöppeln geschlagen werden.
Die Industrie reducirt sich auf Schiffsbau, Waffenschmiedekunst und grobe Hauswebewaaren, dagegen ist der Handel blühend. Besonders Sulu ist der Hauptsitz der Trepang- und Perlfischerei, sowie des Handels mit Salangan-Schwalbennestern, Ambra und Schildkrotschalen. Die Chinesen concentriren den Handel ganz in ihre Hände. Der schwungvolle Handel, welchen die Sulus und Mindanaos durch Verkauf der gefangenen Christen in Batavia betrieben, hat bereits im vorigen Jahrhundert aufgehört.
Sie lassen nicht nur Hähne, sondern auch Büffel gegeneinander kämpfen.
[1] Pili, eine Art Canarium.
[2] Scheidnagel (S. 58) sagt treffend: Obwohl man sich sehr viel Mühe gemacht, sie zu dem Lichte des Christenthums heranzuziehen, so hat man doch nach meinem schlichten Verstande sehr wenig für die Pflege der wahren Moral gethan.
[3] Der Patianac scheint überhaupt vor allem Nackten seine Macht zu verlieren. Er ist jener Spukgeist, der den Reisenden vom rechten Wege abbringt und ihn sich verirren lässt. Geschieht diess den Tagalen, so ziehen sie sich nackt aus und strecken die entblössten Genitalien gegen den Wind, worauf der Patianac seine Kraft einbüsst (Mas, l. c.).