MANON (angenehm berührt; vorsichtig): Lieben? . . . Er amüsiert mich. Übrigens weiß man ja im Anfang nie, ob man jemanden lieben wird.
OSTAP (tief gequält): Worauf beruht es?
MANON (ohne zu antworten): Er hat für Hanka und mich Billette geschickt für seinen Quartettabend. Das ist sehr nett.
OSTAP (sieht umher): In diesem Zimmer habe auch ich einen Winter lang gewohnt. Sie werden in Ihr Land zurückkehren, und man wird mir wieder dieses Zimmer anweisen. Ich sehe mich schon darin. Irgendwelche lustigen Gefahren wird es dann nicht mehr geben. Man kehrt überallhin zurück, sogar an die Stätte seines größten Verbrechens: seiner Geburt. Deshalb sollte man seine Biographie, anstatt chronologisch, vielleicht lieber . . . topologisch empfinden, nach Städten, Gärten, Korbsesseln, was?
MANON: Wie Sie wollen werden. Aber jetzt müssen Sie gehen; es ist 1 Uhr.
OSTAP (empfindet: Ich habe nicht ein Tausendstel von dem erreicht, was zu erreichen meine Pflicht war . . . und worauf ich dann hatte verzichten wollen. — Sagt): Wann werden wir uns wiedersehen?
MANON (rechnet nach): Morgen soll ich Georg treffen. Glauben Sie, daß ich seine Geliebte werden muß, wenn er es verlangt?
OSTAP: Sind Sie des Teufels? Lieben Sie denn Georg?
MANON: Nein, aber er könnte mich vielleicht amüsieren . . . Also wir können uns ja öfter sehen. Aber nicht hier. Und nicht vor Ende der Woche. Und nicht jeden Tag.
OSTAP (grinst): Natürlich nicht. Aber ins Café zur Seelenwanderung bringen mich keine zehn Pferde mehr.