„Machen Sie schnell diesen Gang mit mir, sagte der Prinz rasch und freundlich, und erzählen Sie zu Hause; ich sehe daß Sie Kenner sind!“ und damit verließ er seinen Platz und durchschritt mit Korbach mehrere Säle, in jedem mit einigen Worten die Idee bezeichnend, die ihn geleitet.
Als sie in der letzten Piece, zunächst dem Eingange anlangten, traten die letzten Angekommenen der ganzen Gesellschaft — Klotilde und ihre Begleiterin, ein.
„Es hat mich sehr gefreut Sie kennen zu lernen,“ sagte der Prinz zu Arnold, das „sehr“ so laut und freundlich betonend, daß es Klotilde und die übrigen Anwesenden vernahmen.
Arnold zog sich nun zurück, und der Prinz sprach die Ersehnte und so unerwartet Wiedergefundene an, und machte mit ihr den ganzen Weg zurück nach dem Platze, wo er heute schon manches reizende Gespräch geführt. Das jetzige währte ungefähr so lange als drei der früheren.
Als es, augenscheinlich zur vollen gegenseitigen Zufriedenheit, endigte, trat der Prinz unter eine Herrengruppe, Klotilde aber ließ ihre Blicke durch die Säle schweifen, bis sie Arnold fand, den sie ohne Weiteres ansprach, von dem Zusammentreffen im Freinhof ausgehend.
Endlich ein Laut von dorther! ein Gespräch über sie! und eines, in welches sich nicht der ekelhafte Konkurrenzgedanke mischte... ein Gespräch über Julie, ohne daß die Firma Kollmann mitklang.
Er vernahm zwar nichts, was seinen Durst stillen konnte, — Klotilde war selbst seit der Zeit nicht dort gewesen — aber ihre Erscheinung wurde für den Augenblick zu einer angenehmen für ihn. Sie sprach ruhig und in berechnet liebenswürdiger Weise. Der Prinz war gegen Arnold äußerst gnädig gewesen: Motiv genug. — Während der Prior von Sankt Martin über den Prälatenstuhl weg nach dem Kardinalshut hinaufsah, dachte Klotilde, praktischer, über die Villa des Prinzen hinaus an eine Zeit, wo ihr jede freundliche Verbindung in einer tiefern Region erwünscht sein könnte. Ueberdies hatte die Persönlichkeit Arnold’s ihre Wirkung auch auf sie nicht verfehlt. Die Unterhaltung war lang und lebhaft. — Klotilde brach sie plötzlich mit einem „auf Wiedersehen!“ ab, und verschwand im Gedränge.
Leider schien dem Prinzen kein ganz ungestörter Genuß des Festes vergönnt zu sein. Mitten in einem angelegentlichen Gespräche wurde er durch Baron Heidenbrunn unterbrochen, welcher den Saal mit einem großen versiegelten Schreiben durchschritt, das er dem Prinzen überreichte. Dieser riß es mit offizieller Miene auf, rief dem Adjutanten zu: „Ich spreche den Kurier selbst!“ und verließ die Gesellschaft mit der Versicherung seiner baldigsten Rückkehr. —
Der Adjutant hatte nach dem Gange des Prinzen mit Arnold einige Worte an Letzteren gerichtet, welche dieser artig und kühl erwiederte. Mit Plomberg war es bei einem steifen Gruße geblieben. — Die beiden Offiziere hatten eine kurze Unterredung mit einander, in welcher Heidenbrunn erklärte, er habe keine Gelegenheit finden können, den vertraulichen Auftrag an den Prinzen zu vollziehen, und finde sich unter den jetzigen Konstellazionen wenig bewogen, gegen Korbach zu operiren. Plomberg, welcher sich nur Greuth gegenüber gedeckt wünschte, verlangte Nichts als das Versprechen der Bestätigung, daß er seine Sendung vollzogen. —
Und somit wehten Arnold’s Fahnen hoch im Winde!