— „Ein Ideengang, den auch ich nicht theile, da ich die Entscheidung aus voller Ueberzeugung näher sehe. — Ich habe Ihnen nach den Mittheilungen, deren Gewicht sie nicht verkannt haben, noch eine von geringerem Belange zu machen. Ich versäume nicht, wo ich kann, auch auf Individuen in unserem Sinne zu wirken, und habe Hoffnung in kürzester Zeit einen jungen Mann, der sich in keiner Weise bisher an Politik betheiligte, für die Sache, die Sie vertreten, zu gewinnen. Er ist der Sohn eines reichen Fabrikanten, welcher vielleicht durch meine Konkurrenz einigermaßen zu leiden haben wird, aber vermöglich genug bleibt, um beachtet zu werden. Er ist nicht auf unserem Wege zu brauchen, sondern nur auf dem der direkten Opposizion; ein gewisser Korbach. Ich werde Ihnen seiner Zeit berichten.“
— „Auch ich habe noch eine persönliche Angelegenheit zu besprechen. Richard Forster, von dem ich Ihnen bereits Einiges mitgetheilt, ist auf dem Schiffe. Eine Viertelstunde von uns liegt eine genuesische Brigg, — der Bronte, vor Anker. Ich lasse Richard vor Tagesanbruch nach derselben hinüberführen, da der Bronte im Hafen landet, während wir, sobald Sie uns verlassen haben, uns entfernen. Richard wird sich, mit richtigen Papieren versehen, in Ihrem Lande aufhalten; Sie werden ihn kennen lernen und finden, daß in dem jungen Menschen viele Zukunft. Er steht unter dem besondern Schutze des Lords, wird unsern Zwecken so zu sagen als Volontär dienen, ist treu wie Gold, aber Idealist; man muß ihn seinen Weg gehen lassen. Wenn Sie ihn sehen, werden Sie begreifen, daß die Weiber, — um die er sich nicht viel kümmert, sich desto mehr um ihn bemühten. Er hat kaum sein zweiundzwanzigstes Jahr hinter sich; ich habe selten ein solches Gemenge von poetischen Anschauungen und scharfem Blick im Leben gefunden; dabei ein froher Lebensmuth, nach so vielem Traurigen, was ihn getroffen, — und eine unbegrenzte Verwegenheit. Ich habe eine Szene mit angesehen, wo er einen mit Säbel und Pistole bewaffneten Franzosen auf eine Insulte gegen die Deutschen augenblicklich mit seinem Stock angriff; — er lachte hell auf, als der Schuß an seinem Ohre vorüberpfiff, parirte einen Säbelhieb, warf den Franzosen nieder und drückte ihm die Handgelenke wie in einem Schraubstocke mit seinen eisernen Sehnen zusammen, die Niemand in dem schlanken Burschen suchen würde, — bis er widerrief. — Vielleicht können Sie ihm während seines Aufenthaltes im Hafen eine bestimmte Richtung geben?“
„Gewiß; aber warum machen Sie mich nicht hier mit ihm bekannt?“
„Ich schlug es ihm vor, aber er will, wie er sagte, am hellen Tage Land und Leute kennen lernen, und man kann, bei seiner etwas ausnahmsweisen Stellung, auf seine Laune eingehen.“
— „Das ist gleichgültig; ich werde mir seine Person jedenfalls angelegen sein lassen.“
— „Und nun, theurer Freund, nochmals Dank für Alles! Sie sind durch Ihre Thätigkeit ein Mann geworden, der für uns den Werth von Hunderten hat! Wir können uns nur freuen, Sie in einer Lage zu sehen, welche Ihre Aufgabe erleichtert, indem Sie, nach beiden Seiten gedeckt, mit voller Ruhe des Gemüthes arbeiten können. Hält sich die Regierung, so bleiben Sie der einflußreiche Industrielle und Kapitalist; fällt sie, so sind Sie durch uns geschützt. Fahren Sie fort zu wirken und seien Sie überzeugt (Wangerode sprach mit besonders herzlicher Betonung), daß das dankbare Auge der Vaterlandsfreunde Sie überall begleitet, daß Ihnen überall eine Hand zur Seite, welche aufzeichnet, was Sie vielleicht zu unbedeutend finden, um sich dessen zu rühmen!“
Ob sich Kollmann in der aufzeichnenden Hand nichts als eine Schreibfeder dachte, ist schwer zu entscheiden. Er schloß mit den Worten: „Zählen Sie auf mich, wie ich auf Sie, — mögen wir uns bald am Ziele wiedersehen!“
Wangerode geleitete ihn aufs Verdeck.
Eben strahlte das Feuerwerk und die Beleuchtung der Villa in vollem Glanze.
Sie sahen einander an und ein Lächeln zuckte über die bleichen Wangen Kollmann’s und über das kräftige Gesicht des Demokraten.