Arnold erwiederte: „Schilt mich närrisch oder was du sonst willst, sage mir nichts von Ruhe — ich danke dir, daß du für mich gearbeitet, jetzt wäre ich zu Allem unfähig. Leb wohl!“ — Und damit war er wieder zur Thür hinaus, ehe Sprenger noch eine unnütze Frage an ihn richten konnte.

— — Wenn die vierundzwanzig Tischgäste des Banquiers Franchini hätten zusehen können, wie der Repräsentant des Hauses Korbach und Sohn nicht eine, sondern ein Paar Stunden die Contrada grande von einem Ende zum andern durchmaß, bis er mit der Architektur sämmtlicher Gebäude vertraut war: sie hätten nach den gehörten salbungsvollen Tischreden den höchsten Begriff von seiner Vielseitigkeit bekommen. Was er daselbst eigentlich gedacht oder gewollt, hätten sie aber so wenig gewußt, wie er selbst.

Schwerlich konnte er glauben, daß Julie auf dem Balkon stehen geblieben, — und, nachdem er mit der Begleiterin vorübergegangen, abgewartet habe, bis es ihm genehm sein würde, ohne dieselbe zurückzukehren. Eben so wenig ließ sich im gewöhnlichen Lauf der Dinge voraussetzen, daß während der Stunden von zwei Uhr Nachts bis zum Morgen sich passende Gelegenheiten zu Erklärung von Mißverständnissen, zu einem, das erste, einseitige Wiedersehen verlöschenden zweiten ergeben würde.

Der gewandte und besonnene Missionschef glaubte weder dieß noch irgend etwas Anderes — er mußte nach der Contrada grande, weil er nicht anders konnte; — die Flut seiner dreiundzwanzig Jahre hatte den Damm durchbrochen und trug ihn dorthin, wo er ihr nahe. — Weiter dachte er Nichts, und wir freuen uns, ihn einmal so ganz außer sich, ohne warum und wozu, ohne Reflexion und sogenannte gesunde Vernunft im Mondscheine umherlaufen zu sehen. Denn wenn er heute Nacht vernünftig gewesen wäre, so hätt’ er nicht verdient, daß Juliens Augen um ihn naß geworden.

Bescheerungen.

Gleich Kindern vor der geschlossenen Thüre des Saales, worin der Weihnachtsbaum flammt, standen vor der Pforte des anbrechenden Tages alle Freunde und Freundinnen, welche der Lauf der Begebenheiten in der Hafenstadt zusammengeführt, — sammt allen Bewohnern der letzteren, — mit klopfendem Herzen, Jeder der ersehnten Gabe harrend.

Und reich mußte der Baum behangen sein, wenn Jeder zufrieden den Abend begrüßen sollte!

Im glänzenden Wipfel eine Blume, ein Selam des Wiederfindens — für Julie; — der gleiche Selam, mit der prosaischen Zugabe eines rothgesiegelten Kontraktes mit der Korbacher Fabrik — für Arnold; zum Theile für Sprenger; — an einer dunkeln Stelle zwischen den Zweigen ein Blatt der Erfüllung, nach jenem der Verheißung, von Klotilde, für den Prinzen; — am Stamme, da die Aeste zu schwach aufgehangen von der Hand des erwarteten Monarchen, ein goldenes Füllhorn voll Orden, Adelsverleihungen und Zufriedenheitsbezeigungen für die Stadt — — selbst Richard Forster, mit einem, kräftigen und fantasiereichen Naturen häufig eigenen Aberglauben, wünscht am ersten Tage einem simpatischen Gesichte, einem ihn verstehenden Auge zu begegnen, als glückliches Omen seiner Zukunft. —

Nur der Monarch erwartet Nichts. Die letzte Zeit hat ihm alle Freude an den Bescheerungen seiner Unterthanen vergällt. —