Arnold, von dessen Selbstbeherrschung wir einige Beweise erhielten, hatte dieselbe im Augenblicke von Klotildens Mittheilung vollständig verloren. Er hatte sich nicht wenig auf die Repressivmaßregeln zu Gute gethan, womit er alle Ausbrüche seines Gefühls niederzuhalten wußte; — nun brach in einer Sekunde der ganze Bau zusammen.

Seine Begleiterin war nicht wenig erstaunt, als er bei ihrem letzten Worte ihre Hand faßte, und mit einer Heftigkeit, die alle Schranken der Galanterie übersprang, ausrief: „Und das haben Sie mir verschwiegen? Das verzeihe Ihnen Gott!“

„Ich glaube, daß dieß eine der geringsten Sünden ist, die mich am jüngsten Tage belasten werden,“ erwiederte sie befremdet und sah lachend in seine von zorniger Erregung funkelnden Augen — „aber Korbach! so blond und so heftig! — Sehen Sie, das gefällt mir. Ich begreife auch jetzt Alles, seien Sie ruhig, ich werde gut machen, was ich verbrochen!“ —

„Ich bitte Sie,“ entgegnete er — „wenn Ihnen irgend etwas auf der Welt heilig ist, machen Sie Nichts gut, — vergessen Sie diese Bitte, — meinen früheren Ausruf — geben Sie mir das einzige Versprechen, Nichts zu denken und Nichts zu thun!“ —

Mit jedem Worte fühlte er lebendiger die Unbesonnenheit seines ersten. Sie war nicht ungeschehen zu machen.

Klotilde antwortete ernst und ruhig: „Nicht zu denken kann ich wohl kaum versprechen, ich rede ehrlich mit Ihnen und wünsche, daß alle Tugendspiegel so wenig falsch zeigen als ich. Daß ich nicht sprechen werde, schwöre ich Ihnen; schlafen Sie ruhig, und glauben Sie, daß Sie um meinetwillen Ihren Ausruf nicht zu bereuen haben!“

Hierauf wendete sie sich rasch um, die Treppe allein hinaufeilend.

— — Ein Paar Minuten später trat Arnold in Sprenger’s Zimmer. Ein Blick auf die glühenden Wangen und verstörten Mienen verrieth letzterem einen Gemüthszustand, welcher seine Erklärung nicht wohl in den Ballgenüssen der Villa finden konnte.

Nach einigen Fragen und zerstreuten Antworten sagte er: „Arnold, du bist in der Verfassung eines Menschen, der ein Unglück erlebt hat oder eines hereinbrechen sieht. Ohne mich in deine Geheimnisse zu drängen, bitte ich dich, dir Ruhe zu gönnen, du bedarfst ihrer.“