Es war Schwanthalers Brunnen in Wien (auf der sogenannten Freiung befindlich) gewählt worden.
Die Donau, Weichsel und Elbe fanden ihre Repräsentantinnen in den drei bereits erwähnten, vom akademischen Ausschusse gewählten Frauen; den Po vertrat ein Kavalier einer ritterlichen Nazion, welcher das Unglück hatte, der schönste Mann des Landes und sonst Nichts zu sein. — Da sich keine Dame dazu verstanden hatte, die Rolle der auf der hohen Brunnensäule stehenden Austria zu übernehmen, so wurde statt ihrer ein „Genius des Vaterlandes“ hinaufgestellt, zu welchem ein schlanker, rothwangiger Regiments-Kadett alle wünschenswerthen Eigenschaften, nebst der Schwindelfreiheit vereinigte.
Im Bassin war natürliches Wasser, Rand und Brunnensäule reich mit Blumen verziert; die Costüme der Damen, in einigen Punkten nothwendigerweise vom Vorbilde abweichend, waren in Farbe und Form geschmackvoll von Volpi arrangirt, und das Ganze machte in der herrlichsten Beleuchtung einen zwar durchaus nicht plastischen, aber reizenden Effekt.
Bald soll der Vorhang sich theilen. Die Weichsel und Elbe sitzen in den griechischen Gewändern, mit ihren vergoldeten Wasserschaufeln spielend, noch in Fauteuils, der Po geht auf und nieder, ungeduldig mit dem Ruder stampfend. — Aber noch immer keine Donau erschienen.
„Aber es ist doch geradezu unmöglich, daß die Strada nicht kommt! die einzige, — einzige Bürgerliche! — eine Frau, die doch Geist genug hat, um zu begreifen, daß ihr Stand in ihr geehrt ist, wenn sie zwischen drei Flüssen steht, deren Wasser rein wie das destillirte in der Apotheke, durch fünf oder sechs Jahrhunderte fortgeronnen ohne einen fremden Bestandtheil in sich aufzunehmen!“
Der Kadett steht mit langen goldenen Flügeln in goldgestickter Tunika, mit verschränkten Armen auf der Säule und räth nach Donau-Eschingen zu telegrafiren, warum der Fluß ausbleibt.
Da kommt ein Brief: Madame Strada ist „plötzlich unwohl.“ —
Zuerst beißt man sich ärgerlich in die Lippen.
„Nicht einmal das Costüme hat sie geschickt.“ —
„Es würde es wohl kaum Jemand angezogen haben!“ —