„Eine seltene Schönheit.“ — Zu Graf Greuth gewendet fuhr er fort: „Jedenfalls der reizendste Gegenstand der Gallerie. Die Verlegenheit stand ihr sehr hübsch. Warum die Maler nicht lieber so etwas malen.“
„Wenn Euer Majestät in der Weise wie der König von Baiern eine Sammlung von Schönheiten anzulegen befehlen würde, dürfte sie, nur aus Damen Allerhöchstihrer Länder bestehend, jede andere überbieten.“
„Ich glaube es, und diese Frau wäre ein guter Anfang. Ich liebe aber keine Nachahmungen.“
— So war denn auch die dreizehnte Stazion, der Akademiebesuch, überwunden, und nachdem Seine Majestät das Diner in Gesellschaft des Prinzen, des Grafen Greuth, des Kommandirenden und des Gouverneurs eingenommen, geruhten sie, sich in den schwülen Nachmittagsstunden in ihrem Kabinet auf die Chaise longue zu legen, und, nach herabgelassenen Vorhängen, den Staatsgeschäften zu widmen.
Es blieb nur noch der Bodensatz des Leidenskelches zu leeren, — der Abend auf der Villa mit den exclusiven Tableaux. Er übertraf noch die schlimmsten Befürchtungen.
Nur die Elite der Elite vermag das reine Wasserstoffgas dieses Abends zu athmen. Nicht ein Atom Sauerstoff von Wissenschaft, Kunst oder Industrie war eingedrungen. Die gestern aus diesen Räumen so schmählich vertriebene Göttin der Langeweile, die Etiquette, feierte ihr Restaurazionsfest mit schwülem, schweigenden Pomp.
— Die Gesellschaft war aber stillselig in dem einen Gedanken, welcher ihr alles andere Glück aufwiegt: sie waren unter sich!
— Und sie verdienen nicht nur dieses Glück, sondern haben sogar das volle Recht, es für eines zu halten, so lange es Geschöpfe gibt, von denen sie um dieß „unter sich!“ beneidet werden. — Der Prinz gehörte nicht dazu; er labte sich an der Erinnerung an gestern und an der Aussicht... über die Tableaux hinüber, die ihn übrigens lebhaft beschäftigen, und einen flüchtigen Blick verdienen.
Wir überfliegen die verschiedenen Gruppen nach Winterhalter, Paul de la Roche, Vernet — worunter nur eine, aus der Smala Abdel Kader’s, den allerhöchsten Beifall erregt und langen beim Schlußtableau an, welches in dem orientalischen Saale, der ein Bassin enthält, dargestellt wird, oder werden soll, da noch ein Hinderniß vorhanden.