„Wie freudig lasse ich sie darin ruhen! — Dieß Blatt enthält das Bekenntniß meiner nächtlichen ersten Sünde des Zweifels, die auch die letzte sein soll. Die Augen sind wahr, Arnold, und der Mond lügt.“ —

„Nicht der Mond ist unwahr, sondern jeder Gedanke, daß vergehen könne, was unveränderlich und ewig!“

— — Lassen wir die stumme Blumengöttin die einzige Zeugin der Stunde sein, in welcher die Ringe der Seelen gewechselt wurden, und das Ja gesprochen ward auf die Frage des unsichtbaren Hohenpriesters: Ists Euer Wille, einander treu zu bleiben bis in den Tod — — —

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Als Julie durch die Laubgänge nach der fliegenden Treppe eilte, um durch die Säle zurückzukehren, war der hohe Besuch eben im letzten derselben angelangt. —

Sie trat mit gesenktem Blick durch die Thür und war mit schnellen Schritten in die Hälfte des Saales gelangt. — Nun klang das Säbelgeklirr in ihre selige träumerische Gedankenmelodie, sie schlug die Augen empor und sah die der Offiziere, der schwarzgekleideten Herren und der hinter denselben zusammengedrängten Zuschauer auf sich gerichtet.

Kein Feuer, keine Kohle kann brennen so heiß — — als Juliens Wangen, und keine Rose, keine Nelke dunkler glühen, — — wie sie einen Augenblick verwirrt und unentschlossen dastand; — sollte sie nach dem Garten zurück, — oder durch den schmalen Raum, zwischen dem Monarchen und den übrigen Uniformen hindurch, zu den Zuschauern? —

Da trat Plomberg auf sie zu, dem die Begegnung keine geringe Befriedigung gewährte, bot ihr den Arm, und führte sie am Monarchen vorüber, den sie erkannt hatte und der ihre Verbeugung mit unbeschreiblich huldvollem Dank erwiederte, gegen das Publikum, und kehrte darauf zum Gefolge zurück.

Der Allerhöchste wendete sich zu ihm und sagte: „Eine schöne Frau; ist sie aus dieser Stadt?“

„Sie ist die Frau des Konsuls Kollmann, welcher heute das Glück hatte von Eurer Majestät empfangen zu werden.“