„Kannst Du ein Glück fassen, ohne über die selige Gegenwart hinaus zu denken? Ich fürchte, Du kannst es nicht. Ich aber muß es. Nimm, wenn Du es vermagst, das Heute als Gottesgeschenk, ohne nach dem Morgen zu fragen. Nimm es, wie ich die schönste Freudenblume, die mir durch Dich erblüht, an meiner Brust bewahre und nicht frage, welcher Tag sie entblättert.“

— — Allein alle die befremdenden Klänge der letzten Worte verstummten für Arnold vor dem hellen Wonnelaute: Du bist geliebt. — Es gab keinen Glücklicheren als er — — vielleicht eine Glücklichere.

Kirchenweihe.

— Am folgenden Vormittage trafen in der Telegrafenstazion Frauenwang, von welchem Orte bekanntlich der Weg nach dem Korbachthale führt, im Zwischenraume einer Stunde folgende zwei Depeschen ein:

„An Herrn Morawski, Verweser zu Altenberg. — Lassen Sie Ihre Maschine arbeiten. — Mit allen Ihren Vorkehrungen einverstanden. — Hier geht Alles vortrefflich. K. unterliegt, nicht weiter zu fürchten, wenn Sie gut arbeiten.“ — Unterzeichnet: „Kollmann.“

Die zweite lautete:

„Theurer Vater! Vollständiger Erfolg. Vor einer Stunde alle Kontrakte unterzeichnet. K. ist aus dem Felde geschlagen. Ich komme morgen Abends.“

„Da habe ich einmal — sagte der Stazionsbeamte zu seinem Gehülfen — eine Anekdote gehört, wie in der Menagerie in London der Tiger und der Löwe einander über Nacht gegenseitig aufgefressen, so daß von beiden Nichts übrig blieb als die Köpfe. Etwas Aehnliches scheint hier vor sich zu gehen; lesen Sie einmal!“ — Der Gehülfe las und bemerkte, daß die beiden Schreibenden vielleicht gegen einen dritten gemeinschaftlichen Feind gesiegt hätten. „Gott bewahre, erwiederte der Andere, — ich kenne den Zusammenhang, es sind die zwei Fabrikanten, die einander zu Grunde richten wollen. Nun, wir werden bald sehen, welches K. das andere untertaucht.“

Er kopirte die Depeschen, machte sie zur Expedizion zurecht und fuhr fort: „Die Stücke sollen durch Expressen befördert werden, es ist dafür dort bezahlt worden. Ueber Altenberg nach Korbach? wir können zwei Expressen aufrechnen, da die eine Depesche bereits vor einer Stunde gekommen und wir sie schon hätten absenden können.“