Konnte nicht während des Kampfes Arnold mit seinem neuen Freunde Richard Forster erscheinen? Und da es zu unedel wäre, unsere Helden in Konflikt mit Slowaken zu bringen, konnten nicht wenigstens die Italiener Stand halten, — Richard durch einen Messerstich verwundet, ins Herrenhaus gebracht, und die Liebe zwischen Helene Korbach und ihm auf so natürliche als überraschende Weise vermittelt werden durch Wundfieber und Rekonvaleszenten-Pflege? Oder konnten nicht die Kollmann’schen Freiwilligen das Haus stürmen und eine Rettung aus den Flammen vorbereiten? — Statt aller dieser kostbaren Elemente bietet sich nichts als ein gemeiner Faustkampf der Arbeiter, Hinauswerfen der einen Partei, und leider die zerrissene Fahne, und ein Paar von Steinen zerschlagene Kirchenfenster und Slowakenköpfe!
— — Auf einen Befehl Korbachs, der in jenem Tone gegeben war, der keine Einwendung gestattete, hatte sich Helene beim Beginn der letztgeschilderten Szene in das Haus zurückgezogen.
Sie wurde nun nach dem Arbeitszimmer des ernst und nachdenklich zurückkehrenden Vaters gerufen, und als dieser eben seine Erzählung des Vorgefallenen geendigt hatte, trat Arnold ein, — in eben so ernster Stimmung, grüßte mit stummem Händedruck die Schwester, und sagte zum Vater: „Ich hoffe durch das, was ich bringe, das Unangenehme auszugleichen, was dir begegnet.“ Dabei legte er die Kontrakte auf den Tisch.
Während der alte Korbach dieselben durchflog, führten Arnold und Helene eines ihrer eigenthümlichen Augengespräche, in welchem sie ihm sagte: Zeige dich dem Vater nicht gedrückt, er ist es ohnedem, sei heiter! — Arnold verstand sie und sagte: „Nun ist mit Gottes und deinem Segen meine erste Mission gelungen, und meine zweite soll sein, wenn man uns einen unserer Wege abschneidet, einen andern zu eröffnen, mir ist vor Nichts bange, selbst wenn wir den Kontrakt nicht hätten, — wir haben ihn aber, und nun denke nicht an den Arbeiterkrawall, — und noch weniger an den Domherrnkrawall, sondern ruhe und laß mich arbeiten!“
Bei diesen mit Zuversicht gesprochenen Worten sah der Vater Helene an und fragte: „Hast du Arnold denn schon Etwas gesagt — daß er so spricht?“ —
Sie verneinte es und der Vater fuhr fort: „Bleibt in meinem Zimmer so lange Ihr wollt, ich gehe schlafen; mit dir, Arnold bin ich zufrieden, morgen mehr!“
Hierauf verließ er das Arbeitszimmer, und die Geschwister bemerkten mit Betrübniß, daß sein Gang nicht der feste, seine Haltung nicht die kräftige, stolze war wie gewöhnlich. —
„Wie findest du die Sache?“ begann Helene.
— „Ganz schlecht. Wie ich die Leute kennen gelernt, zerschneiden sie den Vertrag wie Kaiser Ferdinand den Majestätsbrief mit eigener Hand, nachdem was heute vorgefallen ist. Mußte der Vater von der Predigt weggehen?“