Inhalt des ersten Bandes.

Seite
Vorrede   [v]
Goldnebel   [1]
Der Taschenteufel [44]
Zimmerreise [67]
Clair-obscur [102]
Der Prior von Sankt Martin [143]
Konkurrenz [175]
Ein thätiger Freund [213]
Im Hafen [251]
Bewegte Nacht [297]
Bescheerungen [341]
Kirchenweihe [385]

Goldnebel.

Das Gewitter über dem Gebirgssee war vorüber. Fliehend zog das Wolkenheer nach fernen Thälern, versprengte Reste in den Klüften zurücklassend und das Banner der siegenden Abendsonne flammte auf den Felsengipfeln.

Manche Riesentanne lag auf der Höhe, wo die volle Gewalt der entfesselten Geister des Gebirgs gewüthet, niedergerissen von den Wirbeln des Wettersturms. Am Mittag war als erstes Schlachtsignal ein langer dumpfer Donner über das Thal hingerollt und fast bis zum Untergange der Sonne standen auf den Bergen die dunkeln Schaaren der luftigen Streiter, deren Schatten den See in Nacht hüllten.

So oft aber auch auf Erden der Kampf des Lichtes gegen die starre Finsterniß ein vergeblicher sein mag, am Himmel ist der Sieg der glänzenden Königin über die nächtigen Rebellen gewiß. Und als erst die kleinste Lücke in die schwarzen Massen gerissen, die erste Flammensalve der Sonne durch die Wolkenphalangen gebrochen war: da drang es herein, das uralte, ewig neue, freundliche Wunder, das Abendroth, unaufhaltsam die Felsenwände überströmend. Und nun brach sich’s feurig brandend auf der Höhe an einem durchsichtigen Damme von Tannen, welche wie flammende Christbäume in den Himmel hinausragten — floß wie Lava, nur verklärend statt zerstörend, über das Geröll und die steilen Wiesenhänge herab — drang waldeinwärts wie zur Verfolgung der geflüchteten Nebel in ihre letzten Schlupfwinkel und legte tausend Flämmchen an die dunkeln Baumstämme, als wäre der Hochwald erleuchtet von einem Fackelzuge der Berggeister zur Feier jenes Dichters, der da nicht geboren ward, sondern vom Anfange war. — — Und nun senkt es sich in die Fluten des See’s, der noch hohe Wellen rollt und zerstiebt auf ihren überschlagenden Gipfeln in Millionen Goldfunken. — Längst ist oben reiner Gottesfriede, während es in der Tiefe noch rauscht und brandet.