Ein Schiffchen durchschneidet den vergoldeten Schaum. Die beiden Männer, die es trägt, haben beim ersten Nachlassen des Gewitters die Fahrt gewagt, und ihre glühenden Wangen bezeugen den Kraftaufwand, welchen der Kampf gegen Sturm und Wellen erforderte. Während der Aeltere, ein Bewohner der Gegend, mit der Ruhe der Gewohnheit den Krieg so wie den Frieden der Elemente betrachtet, hat das treue, tiefe Auge des Jüngern Beides lebendig zurückgespiegelt.
Diese junge, kräftige Seele, die sich in diesem Augenblicke der siegreichen Macht des Körpers freut, empfängt alle Eindrücke rein und ganz, und gibt sie eben so wieder. Sie sieht noch nicht „ob jeder Freude schweben den Geier schon, der sie bedroht.“ Oder vielmehr der junge Mann hält ein sicheres Auge, eine feste Hand, eine gute Waffe für hinreichend, um den Räuber aus den Lüften herabzustürzen.
Seine Erscheinung bietet Nichts von Allem, was die Uebersättigung interessant nennt. Keine Künstlerlocken wallen um die Stirn, um beim Aufzucken eines unverstandenen Schmerzes, am Klavier oder an der Staffelei, geschüttelt zu werden: sein blondes Haar ist kurz und schlicht. — Keine Weltgedanken haben Furchen durch die glatte freie Stirn gezogen, keine Geschichte von gefallenen Engeln und geknickten Blumen ist auf seinen Wangen zu lesen, und jedes Weib, welches sich auf das Fach des „Dämonischen“ versteht, wird ein einziger Blick in die geistig jungen und doch ernsten, schönen, offenen Züge überzeugen, daß ihr in der lockenden Aufgabe, dieses Geschöpf Gottes zu verderben, noch keine zuvorgekommen.
Er hat während der Fahrt seine graue Lodenjacke zu dem im sogenannten Kränzchen des Schiffes liegenden grünen Hut geworfen und die Hemdermel hinaufgestreift; der Sprühregen, den der Wind von den Wellen hinwegpeitscht, näßt seine Brust und die glänzenden, steinernen Muskeln des Armes. Er freut sich, die volle Kraft ins Ruder pressend, der Kühlung, während der alte Schiffer seinen warmen Kittel zugeknöpft hat und über den heißen Uebermuth des jungen Reisenden lächelt, der ihm kein Fremder, da er in dessen väterlichem Hause vor Jahren gedient.
Das Bett des See’s, dessen ganze Länge der Nachen bei ruhigem glatten Wasser in einer Stunde durchmessen würde, krümmt sich in seiner Hälfte fast unter einem rechten Winkel. — Das Ufer des schmäleren Theiles — des sogenannten untern See’s — in welchem sich unsere Schiffer befinden, bilden nördlich die jäh abfallenden Wände des Wettersteines, — südlich steile Waldhöhen.
Dieses letztere Ufer bietet dem vom Sturme Ueberfallenen die rauhe, aber freundlich rettende Hand, während an der Felsenbrust des andern der sichere Untergang seiner harrt.
An einer einzigen Stelle hat ein Bach, welcher durch eine Einklüftung der Felsenwand in trockenen Monaten als Silberfaden herabrieselt, nach Regengüssen und im Frühling aber donnernd in den See stürzt, so viel Sand und Geröll herabgewälzt, daß sich ein etwa funfzig Schritte im Umfange messendes Stück sanft abgedachten Ufers gebildet hat.
Der Glückliche, welchen der Sturm gerade an diese Stelle treibt, hat den großen Lebenstreffer aus der schäumenden Urne voll Todesloosen gezogen und mag, von unersteiglichen Felsen umschlossen, hier harren bis der Sturm sich legt und eines der vielen den See durcheilenden Schiffchen ihn aufnimmt.
Ein rothes Kreuz, mit verdorrten Kränzen und Votivbildchen geschmückt, bezeichnet diese Stelle; unsere Schiffer richteten fast zugleich den Blick dahin.