Am 27. August vor drei Jahren war Grünschenk, seit Langem leidend, plötzlich Nachmittags sehr übel geworden und in der Nacht gegen zwei Uhr verschieden.

Kollmann, der im Hause gewohnt, war Tags zuvor auf eine Vermessung ausgegangen und erst bei dessen Beerdigung zurückgekehrt.

Bei Grünschenk’s Tode waren anwesend: der Pfarrer, der Ortschirurg, die Ober-Ingenieure Wimmer und Alberti, deren freundschaftlicher Bemühungen die Fellinger dankbar erwähnte, und Holzschreiber Walcher, welcher zwei Tage später in den Wald gegangen und nicht wiedergekommen.

— — Das klang ja in den Ohren des Kommissärs wie der erste Takt eines Triumfmarsches! — — Einer, der „nicht wiedergekommen“ —!?

Er erbat sich eine Karakteristik des Holzschreibers.

Walcher war ein stiller, schwächlicher, gutmüthiger Mensch, — ledig, — ein armer Teufel, die Ehrlichkeit selbst, und war von Grünschenk seiner guten Handschrift wegen zu Schreibereien, und außerdem zu Gängen verwendet worden. Man hatte ihn, als er zwei Tage nicht zurückkehrte, allenthalben in den Waldungen gesucht. „Es war alles umsonst, sagte die alte Frau, — im Wald hätten ihn die Hunde wohl gefunden, aber er muß sich gegen das Hochgebirg gewendet haben, das dahinter aufsteigt und wenn er sich da verstiegen oder vom Nebel überrascht worden, so liegt er vielleicht bis zum jüngsten Tag in einer Schlucht am Jaitstein, oder am Reifeneck oder Wetterstein“ — —

Wetterstein! — — wieder ein Klang für Lipprecht, — wie wenn die Norma ans kupferne Becken schlägt, um die Gallier zur Rache zu rufen...

Er hatte bereits zum Entzücken der Frau die dritte Tasse Kaffee getrunken. Nun besah er wehmüthig lächelnd alle Möbeln und sonstigen Reliquien Grünschenk’s, ließ sich sogar ein Autograf von dem alten Herrn geben, las mit Rührung die Abschrift von dessen Testament, und erbat sich endlich ein Blatt von der Handschrift des verschollenen Walcher. Die alte Frau, vollständig mit ihren Erinnerungen beschäftigt, wußte von manchen Einzelnheiten selbst die Stunde anzugeben. — Bedeutend schien, daß Kollmann zur Zeit von Walcher’s Verschwinden von Trautenfeld abwesend und erst am zweiten Tage darnach zurückgekehrt war; seine Thätigkeit bei den Nachforschungen, von der alten Frau sehr hervorgehoben, war für den Kommissär nur ein erschwerender Umstand.

Das leuchtete Alles ganz anders als der elende Brief des Unterbeamten.