Als aber Sprenger an der Altenberger Fabrik vorübergekommen war, hatte er über hundert Arbeiter mit Herstellung des Gebäudes beschäftigt gesehen, welches noch vor acht Tagen mit geschlossenen Thüren und Fenstern dagestanden war und keineswegs einen Konkurrenzbesorgnisse erregenden Anblick gewährt hatte. —
Arnold theilte ihm nun Alles mit, was er in den letzten Tagen in Erfahrung gebracht, und Sprenger war sowol von seiner Auffassung als klaren Auseinandersetzung der Sachlage, sowie der beabsichtigten Schritte befriedigt. Er fand seinen Zögling reif zur großen Aufgabe, die ihn einst als Chef eines so bedeutenden, und nun so ernstlich bedrohten Etablissements erwartete, und übergab ihm mit Beruhigung die vom Vater ausgestellte Vollmacht zu Abschlüssen, Unterzeichnungen u. dgl.
Hatte die erste Stunde der Reise durch Günther’s Abenteuer ein ungewöhnlicheres Interesse, so war dieß in der letzten durch ein anderes Zusammentreffen der Fall. —
Es war bereits ganz dunkel, und in weiter Ferne sah man das Feuer des Leuchtthurmes. Niemand außer unsern Freunden befand sich im Coupé, dessen Sitze durch hohe Lehnen getrennt sind, so daß man, ohne aufzustehen, nicht hinübersehen kann.
Auf der letzten Stazion vor dem Hafen öffnete sich unter Säbelgeklirr die Thür des Coupé, und zwei Offiziere traten ein, in deren einem Arnold sogleich den Obersten von Plomberg erkannte, welcher einen Tag früher die Hauptstadt verlassen, sich an einer Zwischenstazion aufgehalten hatte, und hier mit seinem Vetter, dem Adjutanten des Prinzen, zusammentraf.
Sie wählten das Coupé, das sie ganz leer glaubten, und nahmen in der Abtheilung neben Arnold Platz. Dieser sowol als Sprenger sprach so geläufig englisch als deutsch, und als Plomberg ein Paar Worte der eben in dieser Sprache geführten Conversazion hörte — deren sie sich nach der Ankunft der neuen Passagiere bedienten, sagte er leise zu Baron Heidenbrunn: „Niemand, als ein Paar obligate Engländer.“
Waren Arnold bis Treustadt die Köpfe der Mitreisenden willkommen, die ihn für Klotilde unsichtbar machten, so war es ihm die Lehne noch weit mehr, da ihm der Oberst geradezu antipathisch war. —
Das Anfangs halblaute Gespräch der Offiziere wurde nach und nach so laut, daß es auch Entferntere als Arnold hätten vernehmen müssen. Es ging daraus hervor, daß der Monarch sich in zwei Tagen nach dem Hafen zu begeben beabsichtige, um den Prinzen und die Einwohnerschaft bei einem Feste zu überraschen, welches, ohne sonstige besondere Bedeutung, zu Loyalitätskundgebungen von der einen und Huldstrahlen von der andern Seite benützt werden sollte.
Der Prinz hatte an einem mit vielem Geschmack gewählten Punkte der, die ganze Hafenbucht beherrschenden, Anhöhe eine Villa gebaut, welche seine Residenz bleiben sollte, so lange er das Marinekommando führte, und die festliche Eröffnung derselben an seinem Geburtstage bot den Anlaß zu den erwähnten Manifestazionen. Was die Ueberraschung durch den Monarchen betrifft, so gehörte sie in die Kategorie der bis ins Kleinste verabredeten, welche dem überraschten Theile die gehörige Zeit zu allen Vorbereitungen lassen, und man sprach darüber seit einigen Tagen in beiden Städten.