Und dennoch wird auch unser Sollen zum Haben, wenn es nur erst zum rechten Wollen geworden. Jahr für Jahr wälzen die singenden Millionen den Sisifusstein ihrer Einheit den Berg hinan, und immer geräth er auf eine Stelle, wo er abgleitet, — meist ein Stück glattes Parkett eines Konferenzsaales, — und rollt wieder in die Tiefe. — Vielleicht sind wir dem Gipfel näher als wir selbst glauben!
— — Der Strom des großen Gedankens hat unser leichtes Fahrzeug fortgerissen. Wir begannen mit der Frage nach dem Lande dieser Erzählung. Bekannte Thurmspitzen und Berggipfel ragen aus der Fata-Morgana-Landschaft, worin sie spielt, empor; der Klang der Namen lenkt unwillkürlich den Finger nach einer bestimmten Stelle der Landkarte, — und dann wird Alles wieder fremd, — wie man wohl manchmal hört: „Ich träumte, — es war in unserm Garten, — und dann war es doch wieder nicht unserer.“
„Ein Monarch, hat man zu uns gesagt, wie er des Landes der dissolving views, — ein Graf Breuneck und Andere, die dort, wo der Finger hingewiesen, nicht existiren, und alle übrigen daselbst nicht aufzufindenden Menschen und Orte vermögen doch nicht das klar gezeichnete Wirkliche zu verdecken! All dieß ist eine an den Arm gebundene Larve bei unverhülltem Gesicht.“ — Aber so verlangte es einst das Gesetz der Maskenbälle, eben in unserer Residenz: wer nicht maskirt war, mußte wenigstens das Zeichen tragen, eine kleine Wachslarve am Arm. Wir nehmen sie, um wo möglich keine Szene mit dem Ballkommissär zu haben. —
So bleiben wir denn auch bei der Bezeichnung „Hafenstadt“ für den Ort, welchem Arnold zufliegt, und zwar nicht allein, denn in Frauenwang ist ein Passagier von Korbach kommend zu ihm gestoßen, den er mit freudigem Aufschrei begrüßt. Es ist Sprenger, welcher vom alten Freunde gebeten worden, seinen Sohn zu begleiten, der des Aelteren, Erfahrneren bei seiner Sendung bedürfen könnte.
Reich genug war der Stoff ihrer Mittheilungen. Sprenger gab ein Gemälde von den Korbacher Zuständen, welches von einer Sicherheit, — ja Siegestrunkenheit Zeugniß gab, die er nicht theilen konnte.
Pater Valentin war nach St. Martin gegangen, um die Leitung des Klosters zu übernehmen, der Prior, sobald es sein Zustand erlaubte, von dort nach der Residenz gereist und der junge Geistliche Leo hatte den Pfarrhof in Korbach bezogen. —
Abschieds- und Begrüßungsfeste für die beiden Letzteren, eine große Demonstrazion der katholischen Arbeiter, welche sich mit Fahne, Musik und Blumenkränzen vor Korbach’s Hause aufgestellt und ihm für seine allgemein bekannt gewordene Thätigkeit, für die Erhebung ihres geliebten Pfarrers durch eine Deputazion dankten, — ein riesenhaftes Bouquet in Begleitung eines goldgeränderten Gedichtes, das die Mädchen Helenen überreichten, — Tags darauf ein Ständchen der Protestanten, welche nicht zurückbleiben wollten, da sie in dem Vorgange nur einen Sieg des Toleranzprinzipes sahen. Dieß Alles machte unstreitig einen ganz erfreulichen optischen und akustischen Effekt... — Der alte Korbach, sonst ein Feind alles lärmenden Gepränges, war dießmal der Demonstrazion auf halbem Wege entgegengekommen, und hatte einige kurze, kräftige Reden gehalten, des Sinnes daß, so lange er Herr in Korbach, dafür gesorgt sein werde, daß Recht und Gesetz des Staates und der Kirche gelten, nicht aber deren Verdrehungen.