— „Prinzip? eine Misere, die sie zu einer Staatsakzion aufgeblasen haben. Was geht’s uns Soldaten an? Ich verstehe meinen eigenen Auftrag nicht, ich weiß nur daß du beim Prinzen bewirken sollst, daß eine Bestellung auf eine halbe Million ich weiß nicht was, sistirt werde.“
— „Ich weiß ganz gut um was es sich handelt was mir nicht klar, sind nur zwei Dinge: wie nämlich diese reine Geschäftssache ganz oben solchen Lärm machen konnte, und warum, wenn man sie schon aufgreift, nicht einfach und offiziell aufgetragen wird, dieser oder jener Firma aus Gründen, die man sagt oder nicht sagt, die Bestellungen zu entziehen?“
— „Der Lärm kommt von einem Pfaffen, den ich lange kenne, und der Prälat werden wollte, und da ist ihm ein Fabrikant, der ein ganz gescheidter Kerl sein muß, durchs Zeug gefahren, mit einem originellen Coup, und er ist durchgefallen. Darauf wird er vor Galle krank und kommt nun in die Stadt und hetzt die Leuchtendorf’s auf den Allergnädigsten, und meine Alte und deren Frau Schwester auf die Prinzessin Marie, macht einen Höllenlärm, daß in einem Jahr die ganze Provinz lutherisch wird. — Der Erzbischof gibt auch seinen Senf dazu, und gestern Abends läßt mich Greuth rufen und sagt: Sie würden ohnedem mit uns gehen, — fahren Sie voraus und sagen Sie Ihrem Vetter, und so weiter. — Es heißt sie wollen Exempel statuiren, im Keim ersticken und weiß der Teufel was, und ein Offizier muß in der Pfaffen- und Fabrikantengeschichte eine Art Kurierreise machen. Man glaubt ein Narr zu sein.“
— „Ganz richtig. Es ist übrigens nicht leicht, da der Prinz, dem sie in andern Dingen oben die Hände binden, sich nicht influenziren läßt, wo er auf seinem eignen Terrain steht.“
— „Meinethalben. Ich habe Greuth gesagt, daß ich ein schlechter Diplomat bin. Er hat mir geantwortet, das wisse er ohnedem, er könne zu der Sache keinen guten brauchen.“
— „Ich werde, da die Sache bloß ein vertraulicher Wink, mich ganz nach der persönlichen Disposizion des Prinzen richten.“
— „Wie du willst. Schlägt’s fehl, so habe ich das Meinige gethan. Greuth soll einen Andern mit solchen Klatschmissionen beehren. — A propos Klatsch, zwischen ihm und der Zeltner ist Alles aus. Weiß dein Prinz, daß die Geschichte bestanden?“
„Kein Wort; das würde dieser Frau, die ein gutes moyen d’action werden kann, einen Theil ihrer Anziehungskraft rauben.“
„Wie steht denn die Sache eigentlich?“
„Auf dem alten Fleck. Der Prinz ist, seit wir von der Residenz weg sind, oft ungnädiger Laune, und seine Gedichte haben einen blassen, melancholischen Teint. Wenn nicht bald eine neue Flamme auftaucht, so gehe ich mit Urlaub nach der Residenz und hole sie, vorausgesetzt daß sie geht. Sie geht aber keinen Schritt weiter, als sie will; von abandon, unbewachtem Moment u. dgl. ist bei diesem Weib keine Rede.“