Schlußgesang
Erkenntnis, du lieblich erstrahlender Stern,
Dich suchet nicht jeder, dich wünscht mancher fern.
Zum Beispiel die Leute, die uns oft betrügn,
Die wolln nicht erkannt sein, sonst würden s' nicht lügn.
Doch seien vor allen die Schönen genannt,
Die werdn von uns Männern am ersten erkannt.
Die Guten, die brauchen schon längere Zeit,
Obwohl die Erkenntnis dann ewig erfreut.

Die Jugend will oft mit Erkennen sich messen,
Die hat den Verstand schon mit Löffeln gegessen.
Doch rückt nur das Alter einmal an die Reih,
Dann kommt die Erkenntnis schon selber herbei.

Der Mensch soll vor allem sich selber erkennen,
Ein Satz, den die ältesten Weisen schon nennen,
Drum forsche ein jeder im eigenen Sinn:
Ich hab mich erkannt heut, ich weiß, wer ich bin.

Erkannt zu sein wünscht sich vor allem die Kunst.
Die feine Kokette bewirbt sich um Gunst.
Und wird sie auch heute mit Ruhm nicht genannt,
So werde denn doch nicht ihr Wille verkannt!

Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Der Alpenkönig und der Menschenfeind, von Ferdinand Raimund.