Alle.
Das ist echte Weidmannslust!
Das erhebt des Jägers Brust!
Astragalus.
Bei des Eismeers starren Wellen,
Ihr seid wackre Jagdgesellen.
Oft soll euch die Lust entzücken,
Doch auch andre mags beglücken.
Denn was wir dem Berg entwenden,
Will ins dürftge Tal ich senden.
An Bewohner niedrer Hütten,
Die um karges Mahl oft bitten,
Teilet eure Gemsen aus.
Werft sie unsichtbar ins Haus.
Linarius.
Edel ist stets dein Beginnen,
Und wir eilen schnell von hinnen,
Um den mächtgen Herrscherwillen
Stolz zu ehren durch Erfüllen.
Laßt die Hütten uns umrauschen
Und leis dem Entzücken lauschen,
Wenn sie in der Tiere Wunden
Goldne Kugeln aufgefunden.
Dankesperlen, die sie weinen,
Wollen wir zu Kränzen einen,
Daß sie zieren dann zum Lohn
Lieblich deinen Alpenthron.
(Alle ab.)
Dritter Auftritt
Astragalus allein.
Astragalus.
Wohl soll in der Geister Walten
Lieb und Großmut mächtig schalten,
Und ihr Wesen hoher Art,
Wo sich Kraft mit Freiheit paart,
Soll, befreit von irdschem Band,
Schwingen sich an Äthers Rand.
Doch, so wies im Menschenleben
Bös und gut Gesinnte gibt,
Jener haßt und dieser liebt:
So ists auch in Geistersphären,
Daß nicht all nach oben kehren
Ihr entkörpert Schattenhaupt,
Und, des liebten Sinns beraubt,
Auch der Böse schaut nach unten,
An die finstre Macht gebunden.
Und so wird der Krieg bedinget,
Der die Welt mit Leid umschlinget,
Der die Wolken jagt durch Lüfte,
Der auf Erden baut die Grüfte,
Der den Geist gen Geist entzweiet,
Der dem Hai die Kraft verleihet,
In des Meeres Flut zu wüten,
Der dem Nordhauch schenkt die Blüten,
Der den Sturm peitscht gegen Schiffe,
Daß zerschmettern sie am Riffe,
Der die Menschen reiht in Heere,
Daß sie zu des Hasses Ehre
Über ihrer Brüder Leichen
Sich des Sieges Lorbeer reichen—
Doch ich liebe Geisterfrieden,
Bin dem Menschen gut hienieden,
Hause nicht in Bergesschlünden,
Laß in freier Luft mich finden.
Hab auf Höhen, glänzend weiß,
Auf des Gletschers kühnstem Eis,
Mein kristallnes Schloß erbaut,
Das der Sterne Antlitz schaut.
Und dort blick aus klaren Räumen
Auf der Menschheit eitles Träumen
Mitleidsvoll ich oft herab.
Doch wenn ich am Pilgerstab
Manch Verirrten wandern sehe,
Steig von meiner wolkgen Höhe
Nieder ich zum Erdenrunde,
Reich ihm schnell die Hand zum Bunde
Und leit ihn mit Freundessinn
Zum Erkenntnistempel hin. (Ab.)
Vierter Auftritt
Auf der entgegengesetzten Seite Malchen, Lischen. Erstere im lichtblauen Sommerkleide, einen Strohhut auf dem Haupte, läuft fröhlich voraus.
Malchen. Ach, das heiß ich gelaufen, wie pfeilschnell doch die Liebe macht! (Sieht sich um.) Hier ist mein teures Tal. Wie herrlich alles blüht, heut glänzt die Sonne doppelt schön, als wäre Festtag an dem Himmel und sie des Festes Königin. Ach, wie dank ich dir, du liebe Sonne, daß du mir meinen August bringst. Lischen, Lischen! (Ruft in die Kulisse.) Wo bleibst du denn? Wie ängstlich sie sich umsieht. Was hast du denn?