Horn, Stab und Schärpe soll er finden,
Du, Lidi, sollst ihm den Gebrauch verkünden;
Empfiehl ihm wohl, sie weise zu benützen,
Will er sie lang und vorteilhaft besitzen.

(Die Fee, Lidi und die Nymphen entfernen sich.)

2. szene

(Verwandlung. Die vorige Gegend im großen. Seitwärts eine Ruine.
Im Hintergrund die See. Man hört das Ritornell von Quecksilbers
Arie.)

quecksilber (tritt vor. Arie). Was braucht man Barometer Auf dieser Welt noch mehr? Ein jeder macht sichs Wetter, So wies ihm gfällt, daher: Auf Schön zeigts bei den Reichen, Bei Stutzern zeigts auf Wind, Auf Regen steht das Zeichen, Wo arme Schlucker sind. Bei Schönen, in der Regel; Zeigts auf Veränderlich, Auf Stürme bei dem Flegel, Und Schnee bedeuts für mich; Doch Schicksal, es ist schade, Daß d mich verfolgst mit Gwalt! So lang der Gönner Gnade Nicht auf dem Gfrierpunkt fallt. Das ist eine prächtige Profession, das Barometermachen, man kann verhungern alle Tag. Hab ich unglückseliger Mensch aufs Meer müssen, um die wilden Völker des Erdbodens durch meine Kunst in Erstaunen zu setzen, und jetzt wirft mich das Schicksal auf diese Zauberinsel, wo ich noch nichts gesehen hab als ein paar Kanarienvögel, oder was sie waren, und einen Elefanten mit drei Füß. Na, die werden doch keine Barometer brauchen!—Weil ich nicht zugrund gegangen bin, so ist wenigstens das Schiff zugrund gegangen, bloß, weil ich Unglücksvogel darauf war. Die Matrosen haben schon von weitem diese Feeninsel verflucht, weil ein jedes Schiff scheitert, das in ihre Nähe kommt. Richtig wars so—sie haben sich in einem Schinakl gerettet, und ich hab mich an mein Barometer anghalten und bin dahergschwommen. Das war noch mein größtes Glück, daß ich den vorigen Sommer zweimal im Prater in der Schwimmschul war und zugeschaut hab; da hab ichs abgespickt, sonst wärs nicht möglich gewesen. Und just ich bin so unglücklich! Da hab ich ein Busenfreund gehabt; das war ein Rauchfangkehrer; das war so ein schmutziger Mensch, im ganzen Gsicht voller Ruß, und weil er Glück hat ghabt, ist er gnädiger Herr geworden, der sich gewaschen hat. Aber mir gschieht recht! Oh, mir gschieht recht! Meine letzte Amour, die ich verlassen hab oder, wie man in der hohen Dichtersprache sagt, der ich den Stecken gegeben hab, hat noch beim Abschied prophezeit: Oh, sagt sie, Bartel! sagt sie, dir wirds nach Haus kommen, sagt sie, Bartel!—Mein erstes Unglück war mein neuer Buchdrucker, der laßt mir unglücklicherweise auf meinen Zetteln auf die Barometer überall den ersten Buchstaben aus. Zum Beispiel, statt kaltes Wetter, laßt er das k aus, steht droben: altes Wetter;—so bei warmer Wind—armer Wind. Ich siehs nicht, verkaufs, die Leute glauben, ich bin ein Narr, lassen nichts mehr bei mir machen. Kein Verdienst! Wie ich eine Weile im Wirtshaus nicht gezahlt hab und hab vom Kellner was begehrt, so ist der Barometer seiner Dienstfertigkeit aufs Hinauswerfen gstiegen, und wann ich mich nicht gschwind aus dem Staub gmacht hätt, so wär er auf Schläg gfallen.—Was war also zu tun, als mein letztes Bissel zu verkaufen und in die weite Welt zu gehen.—Da steh ich nun allein und verlassen, ein Fruchtbaum in der Wüste. (Weint.) Doch von all dem rauschenden Geleite, wer harret noch liebend bei mir aus? Dieser edle Magen! Der einzige Schmarotzer, der mir die Ungelegenheit macht, treu zu bleiben. Just gibt er wieder eine Bittschrift ein, um was zu essen.—Schicksal, wenn du eine Ehr im Leib hast, so laß mich nicht verhungern. (Unterirdische Musik, leise.) Was ist das? Eine musikalische Akademie unter der Erde?

stimme des hornes. Wer will auf mir blasen? quecksilber. Eine kuriose Frage!

stimme der schärpe. Wer will mich tragen? quecksilber. Den soll man tragen, der kann vielleicht siebzig Zenten schwer sein.

stimme des stabes. Wer will mich schwingen? quecksilber. Jetzt will der wieder geschwinget sein! Was heißt denn das?

stimme des hornes. Geh, blas mich!

stimme der schärpe. Geh, trag mich!