Sechzehnte Szene.
(Geheimes Kabinett des Zephises. Die Hinterwand, an der sich keine
Möbel befinden, ist mit magischen Zeichen und Figuren bemalt. An
der Seite befindet sich ein Zaubertisch, worauf ein kleiner
Zauberer steht; neben ihm eine Glocke, auf welche er mit einem
Hammer schlägt. Auf der entgegengesehen Seite eine Türe.)

Florian Waschblau kommt mit einer Butte auf dem Rücken, worin sich verschiedene Kleidungsstücke befinden; stellt sie beim Eintreten nieder.

Arie.
Ich bin der liebe Florian,
So heißen mich die Leut',
Und wenn mich jemand brauchen kann,
Bin ich gleich bei der Schneid'.
Im Kopf hab' ich auf Ehr' nicht viel,
Noch weniger im Sack,
Nur daß ich nichts als essen will,
Das ist mein' größte Plag'!
Ich g'hör' nur der Mariandl zu,
Auf d' Nacht sowie beim Tag,
Und wissen S', warum ich das tu'?
Weil mich sonst keine mag.
Und foppt mich einer, was er kann,
So fühl' ich keinen Neid;
Denn fangen d' Leut' zum Lachen an,
Das ist mein' größte Freud'!

Florian. Ja, ja, mein lieber Florian! Jetzt wirst du halt bald fort müssen aus dem Hause, wo dir die Tage in einem ewigen Rausch hing'schwunden sind. Mein armer junger Herr, wie wird's denn dem gehen? Keinen Kreuzer hat uns der Alte unterlassen, als das einschichtige Haus. Wenn er nur wo was zu leihen kriegte; aber nicht einmal einen Satz übers Haus kann er machen, es ist ja ganz verrufen. Wer wird denn ein Haus kaufen, wo die Hexen wie die Schwalben aus und ein geflogen sind? Ich weiß nicht, was er anfangen wird; um mich ist mir nicht bang', ich werd' mich schon wo anlehnen lassen an eine Planken. Wenn ich nur ihn unterzubringen wüßt', auf einem Kontor bei einem Sauerkräutler oder wo.—Er ist in der größten Verzweiflung! Gestern hat er geweint, hat mir das letzte Dreiguldenzettel gegeben, und hat g'sagt, ich möcht' davon vier Gulden unter die Armen austeilen, und mit dem, was übrig bleibt, soll ich hingehen, wohin ich will. Ich kann ihn aber nicht verlassen, es ist unmöglich! Ich hab' erst unlängst eine Schöne G'schicht' gelesen von einem römischen Löwen, der sein' Herrn, dem Anton Trokles, so anhänglich war;—und wenn ein solches Tier so handeln kann, so werd' ich's doch auch noch zuwege bringen. Ich hab' schon angefangen, ich hab' alle meine Kleider zusammengepackt, hab' auch der Mariandel, unserer Köchin, ihren ganzen Kasten ausgeräumt, hab' von dem Milchweib da diese Butten zu leihen genommen, damit nichts ausplanscht wird, hab' die Kleider recht hineing'stampft; und weil in das Kabinett, was unserm alten Herrn sein Zauberlaboratorium war, selten wer kommt, so habe ich den Juden herbestellt, dem verkauf' ich's, und das Geld steck' ich heimlich in mein' Herrn sein Brieftaschel. (Sieht auf den kleinen Zauberer.) Jetzt hat der Spitzbub' alles g'hört. Wirst du denn wem was sagen davon? (Der kleine Zauberer deutet nein mit dem Kopfe.) Der sagt einem alles. Wird meinem Herrn ein Unglück zustoßen? (Zauberer deutet nein.) Etwann mir? (Zauberer deutet ja, Florian drohend.) Du! Sag' du mir, bin ich ein g'scheiter Kerl? (Zauberer deutet nein.) Ist schon richtig;—bin ich etwa dumm? (Zauberer deutet ja.) Alles weiß er. Wie viel dumme Streiche werd' ich denn noch machen? (Der Zauberer schlägt auf die Glocke: eins, zwei, drei, dann recht schnell und oft hintereinander.) Hörst auf, du verdammter Kerl! (Hält ihm die Hand.) Solang leb' ich gar nicht.

Siebzehnte Szene.
Mariandel (von innen). Voriger.
(Mariandel klopft von außen.)

Florian. Aha, das ist der Jud'! (öffnet, Mariandel tritt ein.)
Nein, schaut's, ist a Jüdin.

Mariandel. Ach, ich unglückliche Person, was fang' ich an? Da steht er herin, statt daß er im Haus acht gibt. Ach, warum hat mich der Himmel gestraft, daß ich einen solchen Einfaltspinsel zum Liebhaber hab'.

Florian. Das wird doch eine schöne Stichelei sein!

Mariandel. Was stehst denn da?—Was stehst denn da, du miserabler Mensch; und mir räumen s' derweil den ganzen Kasten aus. Ich bin bestohlen!

Florian. Hör' auf! Haben s' dir etwann deinen üblen Humor g'stohlen?