Longimanus. Die neuen Bücher, die ich aus der Leihbibliothek gekriegt hab', tragst ins Lesekabinett hinüber und bringst alles in Ordnung, ich will lesen.
Pamphilius. Befiehlst du auch einen aromatischen Rauch im Zimmer?
Longimanus. Später kannst du mir ein bißl einen blauen Dunst vormachen. Und jetzt hinüber, richt' alles her. Mein Tischerl, zwei Wachskerzen und dann das Buch von der Agnes Bernauerin; das Stück les' ich jetzt schon vierzehnmal, und ich weiß immer noch nicht, warum sie s' denn eigentlich ins Wasser geworfen haben. Jetzt komm, Pamphilius. (Beide gehen ab.)
Siebente Szene. Platz, von hohen schönen Gebäuden umschlossen, doch alle ohne Fenster im griechischen Geschmacke erbaut. Rechts der Eingang in den Palast des Veritatius. Links vorne eine Erhöhung von steinernen Stufen, worauf der Sitz sich befindet, hinter dem die Statue der Wahrheit steht. Eine nackte Figur mit der Sonne auf der Brust.)
Chor der Einwohner.
Stille, stille! Harrt bescheiden,
Bis des Hornes Ruf ertönt.
Schrecklich muß der Freche leiden,
Der des Herolds Wort verhöhnt.
Was wird er uns wohl verkünden,
Was muß vorgefallen sein?
Doch wir werden's bald ergründen,
Seht, hier tritt er ja schon ein.
Achte Szene. Vorige. Zwei Diener des Herolds treten vorauf und stoßen dreimal in ihr goldenes Horn, welches der römischen Tuba gleicht. Dann tritt der Herold in die Mitte.
Rezitativ.
Herold.
Bewohner des friedlichen Landes!
Ich bin erschienen, euch zu verkünden
Die Befehle unseres Herrschers.
Schon wenn die nächste Stunde tönt,
Müßt ihr euch hier auf sein Geheiß versammeln.
Er wird ein Mädchen heut bestrafen,
Und sie verscheuchen aus des Landes Grenzen,
Weil frech die Sitten sie verhöhnet,
Die doch mit Milde uns beglücken,
Und die allein sind unsres Landes Stolz.
Arie mit Chor.
Herold.
Hier im einsam stillen Lande,
Wo der ew'ge Friede wohnt,
Webt die Freundschaft feste Bande,
Wird die Liebe süß belohnt.
Chor.
Webt die Freundschaft feste Bande,
Wird die Liebe süß belohnt.