Rosa. Der Mann wird närrisch vor lauter Freuden.
Kinder. Bravo! jetzt gehts lustig zu. (Ab.)
Hansel. Vater, verlaß sich der Vater auf mich. Wenn ich ihn pack, mir kommt er nimmer aus. (Geht stolz ab.)
Valentin. Der Bub kann einmal ein großer Mann werden, wenn er so fortwachst. Weib, jetzt komm! Du hast mir viel Verdruß heut gmacht, aber jetzt ist dir wieder alles verziehen. Kein Mensch ist ohne Fehler, wenn einem nur zur rechten Zeit der Knopf aufgeht. Wer weiß, wers noch vergilt, und ich denk mir halt, wenn ich einmal recht alt werd, so möcht ich doch auch andere Erinnerungen aufzuweisen haben, als daß ich einen Stuhlfuß geleimt hab und einen Schubladkasten gemacht. Jetzt komm!
(Beide ab.)
Zehnter Auftritt
Verwandlung
Die Ruine des alten Schlosses Flottwell. Zerfallne Gemächer und Türme, auf Felsen gebaut, zeigen sich rechts. Links die Aussicht, gleichsam von der Höhe des Schloßberges, auf entferntere gegenüberstehende Berge, hinter welchen die Sonne untergeht.
Flottwell in Verzweiflung. Klettert über einen der Felsen, als käme er aus dem Tal.
Flottwell.
Ich bin herauf! Ich habe sie erreicht,
Die letzte Höhe, die in dieser Welt
Für mich noch zu erklimmen war.
Ich steh auf meiner Ahnen Wieg und Sarg,
Auf Flottwells altem edlen Herrenschloß.
Wir sind zugleich verhängnisvoll gestürzt.
Hätt ich dich nicht verlassen, stündest du
Und ich. Zu spät!
(Wirft den Hut und Bettelstab von sich.)
Verfaule, Bettelstab!
Mein Elend braucht nun keine Stütze mehr.
Ich kehre nie zu eurer Welt zurück,
Denn mein Verbrechen schließt mich aus dem Reich
Des Eigennutzes aus. Ich habe mich
Versündigt an der Majestät des Goldes.
Ich habe nicht bedacht, daß dies Metall
Sich eine Herrschaft angemaßt, vor der
Ich hätt erbeben sollen, weil es auch
Mit Schlauheit, die bewundrungswürdig ist,
Das Edle selbst in seinen Kreis gezogen.
Wer fühlt sich glücklich, der durch Wohltun einst
Ein Arzt der Menschheit war, und dem es nun
Versagt, weil ihm die güldene Arznei
Gebricht, wodurch die kranke Welt genest.
Ich stand auf dieser segensvollen Höh,
Ich konnte mich erfreun an anderer Glück,
Wenn freudenleer mein eigner Busen war.
Ich hab mich selbst von diesem heilgen Thron
Gestürzt. Dies Einzge ists, was ich mit Recht
Beweinen darf, sonst nichts. Zum Kinderspott,
Zum Hohngelächter des gemeinen Pöbels
Darf nie ein Edler werden, drum fahr hin
Mein Leben, dessen Pulsschlag Ehre war.
Ich könnte mich in jenen Abgrund stürzen,
Doch nein! des letzten Flottwells Haupt, es beug
Sich nicht so tief. Mein Leben ist ja noch
Das einzge Gut, das mir Verschwendung ließ,
Mit dem allein will ich nun sparsam sein,
Der Hunger soll mich langsam töten hier.
Aus Straf, weil ich die undankbare Welt
Zu viel gemästet hab. O Tod, du bist
Mein einzger Trost. Ich hab ja keinen Freund—