(Ein Stein weicht zurück, und der Bettler ohne Hut und Stab steht vor ihm, spricht.)
Bettler. Als mich!
Flottwell (erschrickt).
Als wen? Ha! schreckliche Gestalt,
Die ich seit zwanzig Jahren nicht gesehen
Und die ich nun für meine erst erkenn,
Weil mich die Zeit auf gleiche Stufe stellt
Und ich wie du in jeder Hinsicht nun
Bejammernswert und elend bin.
Weh mir! Nun wird mirs klar, du solltest mir
Ein schauervolles Bild der Warnung sein.
Bettler.
Dies war mein Zweck. Du hast mich nicht erkannt,
Weil Leidenschaft nie ihre Fehler sieht.
Erkenne mich nun ganz, ich bin ein Jahr
Aus deinem viel zu rasch verzehrten Leben,
Und zwar dein fünfzigstes, das heute noch
Beginnen wird, wenn jene Sonne sinkt.
Du hast an Cheristanen einst ein Jahr
Verschenkt, und diese edle Fee, die sich
Für dich geopfert hat, sah in dem Buch
Der Zukunft, daß, wenn du zurück nicht kehrst
Von der Verschwendung Bahn, das fünfzigste
Jahr deines Lebens dir den Bettelstab
Als Lohn für deinen Leichtsinn reichen wird.
Glaub nicht, daß du geendet hättest hier.
Wer so wie du gestanden einst und auf
So niedre Stufe steigt, sinkt tiefer noch
Als einer, der im Schlamm geboren ist.
Zu warnen warst du nicht, drum konnte ich
Dich nur von deinem tiefsten Sturz erretten.
Bis jetzt hat niemand noch dir eine Gab
Gereicht: Ich hab für dich bei dir gebettelt.
Ein Jahr lang hab ich den Tribut durch List
Und schaudervolle Angst von dir erpreßt.
Die letzte Stunde hab ich aufbewahrt,
Sie schlief in diesem Stein und spricht zu dir:
(Ein Stein teilt sich, und ein Haufen Gold und der Schmuck zeigt sich in einem silbernen Kästchen.)
Nimm hier dein Eigentum, das du mir gabst,
Zurück. Du wirst es besser schätzen nun,
Weil du die Welt an deinem Schicksal hast
Erkannt. Was du dem Armen gabst, du hasts
Im vollen Sinne selber dir gegeben.
Leb wohl! Ich hab vollendet meine Sendung. (Versinkt.)
Flottwell (allein).
Ists Traum, ists Wahrheit, was ich sah und hörte?
Woher die überirdische Erscheinung?
(Sanfte Musik. Die Ruinen verwandeln sich in eine Wolkengruppe mit vielen Genien. Cheristane in reizender Feenkleidung in der Mitte auf einem Blumenthron.)
Cheristane (sanft).
Mein Julius! Es war Azur, der Geist
Der letzten Perle, die ich einst für dich
So freudig hingeopfert hab, als ich
Die süße Lieb zu dir mit bitterer
Verbannung büßen mußte. Ach! Mir wars ja
Vom Schicksal nicht gegönnt, dich zu erretten,
Er hat für mich erfüllt, was meine Treu
Dir einst gelobt.
Flottwell (kniet).
O Cheristane! Dich
Erblicke ich auf dieser Erde wieder?
Du Himmelsbild aus meiner Rosenzeit!
Kaum wagt mein welkes Aug den Blick zu heben
Zur Morgenröte deiner ewgen Jugend.
Oh, zieh nicht fort, verweile noch! Sieh, wie
Die Wehmut um vergangne Zeit mich tötet.