Flottwell. Oh, schäm dich, so um Geld zu jammern, es ist das Niedrigste, was wir beweinen können. Du hast genug für heut, ein andermal komm wieder.

Bettler. Ich bin ein Bettler und gehorche. (Verbeugt sich und geht langsam fort.)

(Ein Diener eilig mit einem Brief.)

Diener. Gnädger Herr! ein Brief. (Übergibt ihn und geht wieder fort.)

Flottwell (sieht die Aufschrift). Von Amalie, von meiner himmlischen Amalie. (Liest.) "Mein teurer Julius! Verzeih, daß ich Dir gestern nicht geschrieben habe, allein der große Kampf in meinem Herzen mußte erst entschieden sein. Doch nun gelob ich Dir, Dich niemals zu verlassen. Ich willge nicht in meines Vaters strenge Forderung, und kann kein Flehen sein sonst so edles Herz erweichen, so mag geschehen, was wir beschlossen haben."—Amalie mein! oh, könnt ich doch die Welt umarmen! He du! (Der Diener kommt.) Ruf mir den Bettler dort zurück, der eben sich in jene Laube setzt. (Zeigt in die Kulisse.)

Diener. Ich sehe keinen Bettler, gnädger Herr!

Flottwell. Bist du denn blind! Geh fort! (Bedienter ab. Ruft.)
He Alter, komm!

Bettler. Was befehlen Sie, mein gnädiger Herr!

Flottwell. Ich habe eine frohe Botschaft hier erhalten, und Flottwell kann sich nicht allein erfreun. Verzeih, ich habe dich zu karg behandelt. Nimm diesen Beutel hier, auch diesen noch. (Wirft sie ihm in den Hut.) Nimm alles, was ich bei mir habe. Was ich verschenken kann, hat eines Sandkorns Wert gen den unendlichen Gewinn, der mir durch diesen Brief geworden ist. (Nach dem Garten ab.)

Bettler (allein). O Mitleid in des Menschen Brust! Wie bist du oft so kränkelnder Natur, als hätte dich ein weinend Kind gezeugt. Begeistrung ists, die alles Edle schnell gebiert, sie hat mit des Verschwenders Gold des Bettlers Hut gefüllt.