Bediente. Jetzt fort! wir haben mehr zu tun.
Chor. Fort, nur fort! Packt euch hinaus!
Ihr gehört nicht in dies Haus.
Denn das heißt man zu viel wagen,
So gemein sich zu betragen,
So zu trinken
Bis zum Sinken.
Fort hinaus
Aus dem Haus!
Rosa. Daß ein wenig Saft der Trauben,
Einen Menschen, sanft wie Tauben,
Des Verstandes kann berauben,
Um ihn so hinaufzuschrauben,
Daß er 'n Hut nicht von der Hauben
Kann mehr auseinanderklauben,
Das ist stark doch, wenn S' erlauben.
Valentin. Glaubt mir doch, ihr lieben Leutel,
Auf der Welt ist alles eitel,
Denn kaum trinkt man vierzehn Seidel,
Hat man schon kein Geld im Beutel,
Schnappt vom Fuß bis zu dem Scheitel
Zsamm als wie ein Taschenfeitel,
Alles eitel. Noch ein Seidel!
Chor. Ei, was nützt denn dieses Gaffen,
Fort mit euch, ihr dummen Laffen!
Rosa. Geh und leg dich lieber schlafen!
Valentin. Ich hab einen schönen Affen.
Chor. Macht uns nicht so viel zu schaffen,
Ihr müßt euch zusammenraffen,
Denn das wird uns schon zu kraus,
Fort mit euch zum Schloß hinaus!
(Führen sie hinaus.)
Achtzehnter Auftritt
Verwandlung
Musik. Das Innere einer ganz verfallenen gotischen Kapelle. Es stehen nur die Mauern noch. Der Mond leuchtet am bewölkten Himmel, und sein Licht strahlt gerade durch das Eingangstor, so daß der Bettler, wenn er die letzte Rede spricht, von ihm beleuchtet wird.
Der Bettler sitzt an der Ecke der Hinterwand im Dunklen auf einem niedern Stein. Flottwell, in einen Radmantel gehüllt, tritt ein.
Flottwell. Die Nacht ist kühl. Auch zieht in Westen ein
Gewitter auf. Wenn es nur bald vorübergeht! Was rauscht?
Bin ich hier nicht allein? Wer kauert in der Ecke dort?
Hervor!
Der Bettler (steht auf). Ich bins, mein gnädger Herr, und habe Sie schon lang erwartet.
Flottwell. Was tritt mir dieser Bettler heut zum drittenmal entgegen? (Der Bettler tut einen Schritt vor, nun bescheint ihn der Mond.) Ha! wie der Mond sein Antlitz graß beleuchtet. Was willst du hier von mir, du grauenhaftes Bild des selbstgeschaffnen Jammers?
Bettler (kniet). Ach, das verzweiflungsvolle Los meines geheimnisvollen Elends und meine Herzensangst, daß Sie dies Land verlassen, zwingen mich, den morschen Leib aufs neue in den Staub zu werfen. Sie sind der einzige in dieser unbarmherzgen Welt, auf dessen Großmut ich noch bauen kann.