amphio allein
amphio. Wo weilst du heute, hohe Phantasie, daß sich dein Bild noch nicht auf blauem Äther malt und mit den bunten Schwingen zu mir niedertaucht? So wie der Arzt den Kranken jeden Tag besucht, so schwebst du jeden Morgen zu mir nieder, zu heilen meinen liebekranken Geist. Durch dich begeistert sang ich jene Lieder, die mir das Herz der Königin errangen; dir verdanke ich die schöne Hoffnung, an Hermionens Hand zu herrschen über dieses Reich. Ihre Liebe nenn ich mein, sie selbst gestand es mir. Nun will ich meinen Rang entdecken, um heimzuführn die königliche Braut; doch dir muß ichs vorher vertrauen, hohe Phantasie, du hast den wilden Mut in mir gezähmt, zum stillen Hirten mich gemacht, und nur dein Rat soll mich bestimmen, ob ich den Schleier ziehen darf von dieser Täuschung Bild. Doch, was seh ich? Eine andre Sonne strahlt mir dort entgegen, Hermione ists, die über jene Hügel eilt. Ists Freude, ist es Angst, die ihre Schritte so beflügelt?
13. Szene
voriger. hermione.
amphio (eilt ihr entgegen und sinkt zu ihren Füßen). Gebieterin!
hermione (spricht die ganze Szene schnell und unruhig). Heut bin ichs nicht; ich hab die Herrschaft abgetreten an die Zeit, ein Sklave bin ich meiner Eile.
amphio. Mir bangt um dich. Was kämpft in dir?
hermione. Vertrauen gegen Furcht. Mein Volk, der Zaubernymphen Wut, Apollo selbst befiehlt, daß ich mein Herz noch heute binden muß.
amphio. Dein Herz? Ist es noch dein?
hermione (sanft). Du weißt es ja.—Doch meine Hand—